Freitag, 15. Dezember 2017

19. Juni 2013 15:24 Uhr

Fauxpas

"Das Internet ist für uns alle Neuland": Jetzt spottet das Netz über Merkel

"Das Internet ist für uns alle Neuland": Mit diesem Satz heute beim Besuch von US-Präsident Obama hat Kanzlerin Angela Merkel eine Welle des Spotts losgetreten.

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"Das Internet ist für uns alle Neuland": Mit diesem Satz heute beim Besuch von US-Präsident Obama hat Kanzlerin Angela Merkel eine Welle des Spotts losgetreten.
Foto: Jewel Samad, afp

Das klingt nach einem Fauxpas: "Das Internet ist für uns alle Neuland", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heute in Berlin beim Besuch des US-Präsidenten Barack Obama. Der Satz fiel in der Diskussion über die massive Online-Überwachung der Vereinigten Staaten. Vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass der US-Geheimdienst NSA mit dem geheimen Programm " Prism" unter anderem weitreichenden Zugriff auf große Internetdienste wie Google und Facebook hat und die Kommunikation dort massenhaft nachverfolgen kann.

Merkel sagte, die Menschen hätten Sorge, dass es eine "pauschale Sammlung aller Daten" gebe. "Die Fragen, die noch nicht ausgeräumt sind - und solche gibt es natürlich - die werden wir weiter diskutieren." Merkel rief dabei zur Verhältnismäßigkeit bei der Datensammlung auf. "Das Internet ist für uns alle Neuland", sagte sie. Nötig sei eine Balance, um den Menschen gleichzeitig Sicherheit zu bieten, ihnen aber nicht ihre Unbeschwertheit beim Umgang mit den neuen Medien zu nehmen.

Das Internet - Neuland? Tatsächlich hatte das uns heute bekannte Internet erst vor einigen Wochen seinen 20. Geburtstag gefeiert und gehört für eine ganze Generation junger Leute, die mit dem Netz aufgewachsen sind, zum Alltag. Und die griffen den Satz umgehend auf.

"Die kleine Angela möchte aus Neuland abgeholt werden"

Kaum war der Satz gefallen, ergossen sich Hohn und Spott über die Bundeskanzlerin. Die Netzgemeinde schwankte zwischen Belustigung und Verzweiflung. "Achtung, Achtung: Die kleine Angela möchte aus dem #Neuland abgeholt werden", hieß es etwa bei Twitter. Oder auch ""Wir, die Menschen von #Neuland, erklären unsere Unabhängigkeit von #Altland!"" Und ein Dritter ätzte: "Wenn man sich das überlegt. Jetzt dieses Internet und in 10 Jahren vielleicht schon der erste Mensch auf dem Mond. Was für Zeiten!" 

Umgehend wurden verschiedene tumblr zum Thema "Neuland" gestartet. dutzende kuriose Bildmontagen mit Merkel kursierten im Netz - Angela Merkel als mittelalterliche Entdeckerin ("19.6.2013 Merkel entdeckt #Neuland), Merkel mit einem Kind am Laptop ("Bin ich schon drin?") oder Merkel mit einem Rechenschieber (Text: "Wie kommt man hier ins Internet?").

Freilich gab es auch Zuspruch für Merkel. Für viele Menschen sei das Internet tatsächlich so etwas wie Neuland, hieß es dann. "Na dann haben ja jetzt alle Möchtegern-Internetnutzer, und sonstige Berufsnichtskönner wieder was zu twittern. Twitter und Facebook, Internetgames sind nicht alles im Leben", schrieb etwa ein Nutzer im Forum von Spiegel Online. "Vielleicht sollten die Spottnasen mal das, was die Merkel im Ganzen gesagt hat, lesen oder sich erklären lassen", meinte ein anderer Autor in unserem Leserforum.    bo  

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