Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Stefan Mappus: Dem schnellen Entscheider droht ein politischer GAU

Stefan Mappus

Dem schnellen Entscheider droht ein politischer GAU

  • |
  • |
  • |
    CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus wollte sich als Gegenbild zu seinem Vorgänger Günther Oettinger stilisieren und könnte nun gerade daran scheitern.
    CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus wollte sich als Gegenbild zu seinem Vorgänger Günther Oettinger stilisieren und könnte nun gerade daran scheitern. Foto: Foto: dapd

    Stuttgart Die beiden Söhne von Stefan Mappus toben ein wenig auf der Autobahnraststätte „Sindelfinger Wald“. Der Regierungschef selbst nimmt sich an diesem sonnigen Morgen Zeit für ein Foto mit Jugendlichen, ehe er in den Wahlkampfbus steigt. Vor ihm liegt ein schwerer Tag: Zwei Wochen vor seiner Landtagswahl ist im japanischen Fukushima ein Atomreaktor explodiert und er muss zwei Wahlkampfreden halten. „War’s das?“, fragt ein Journalist im Bus. Eine öffentliche Bewertung will Mappus an diesem Tag nicht abgeben, in den Reden bekundet er nur den Japanern sein Mitgefühl. Aber natürlich weiß Mappus, dass es kaum schlimmer hätte kommen können für ihn.

    Die Atomkatastrophe im fernen Japan ist ein politischer GAU für Mappus, der vor Jahresfrist lautstark wie kaum ein anderer für die längeren Laufzeiten der Reaktoren gekämpft hat. Zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel leitet er nun eine atemberaubende Kehrtwende ein: Sieben Altmeiler gehen befristet vom Netz, Neckarwestheim I sogar für immer. Da ist er wieder der Macher, den er so gerne gibt. Aber das geht auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Drei Prozent hat die CDU in jüngsten Umfragen verloren, Grün-Rot vergleichbar zugelegt. Die seit 57 Jahren regierende CDU ist nervös wie noch nie im Land.

    Der Streit um den Atomausstieg überlagert alle Themen, die vorbereiteten Leistungsbilanzen, die bildungspolitischen Verheißungen, die brummenden Fabriken und die „niedrigste Jugendarbeitslosigkeit Europas“. Das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 hatte seit der Schlichtung durch den CDU-Mann Heiner Geißler an Brisanz verloren. Vor vielen Hallen, in denen Mappus auftrat, standen zwar Demonstranten. Massiv gestört wurde aber nur der gemeinsame Auftritt mit Merkel in Stuttgart. In der Landeshauptstadt, das war den CDU-Strategen klar, wird der Bahnhof Stimmen kosten.

    Der Abgeordnete Winfried Mack hat an diesem Tag in den Ausstellungsraum einer Metallbaufirma in Aalen eingeladen. Mappus und seine Frau Susanne werden von den 300 Gästen mit wohlwollendem Beifall begrüßt. Es gibt Szenenapplaus, als er von Kaiser Wilhelm erzählt, der dem Pferd eine glänzende Zukunft versprach, nicht dem Auto. „Damit würde er heute bei jedem Parteitag der Grünen gefeiert“, spottet Mappus. Die Kritik am Länderfinanzausgleich zieht immer: „Im Wahlkampf kommen die Becks, die Wowereits und die Krafts dieser Welt nach Baden-Württemberg und wollen uns erzählen, wie man’s richtig macht. Dabei hätten die ohne uns nicht einmal das Fahrgeld.“ Streit geht Mappus nicht aus dem Weg, er trommelt für Stuttgart 21 und bekommt Beifall dafür.

    Sein Markenzeichen wird ihm nun zum Problem

    Seit gut einem Jahr ist der Pforzheimer Ministerpräsident. Er hat sich als Gegenbild zu Vorgänger Günther Oettinger stilisiert, der Entscheidungen am liebsten vertagte. Mappus entscheidet nun so schnell, dass ihm die Folgen öfter auf die Füße fallen, kaum dass er sich umgedreht hat. Zum Beispiel beim Rückkauf der EnBW-Aktien, der am Parlament und dem zuständigen Finanzministerium vorbei ging. Die Verlängerung der Arbeitszeit für Beamte musste er auf Druck der eigenen Leute einkassieren.

    Mappus hat versucht, den Ruf des konservativen Haudraufs abzustreifen. Doch dann kam der Polizeieinsatz im Stuttgarter Schlossgarten, seither gilt er erst recht als Rambo. Weil sich der 44-Jährige keinen Amtsbonus erarbeiten konnte, haben die CDU-Strategen auf die Bilanz der letzten 57 Jahre gesetzt. Mit der Katastrophe im fernen Fukushima hat aber eine neue, für Mappus ungewisse Zeitrechnung begonnen.

    Lesen Sie morgen Nils Schmid im Porträt: Der Traum vom SPD-Regierungschef könnte an den Grünen scheitern

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden