Auch dass sich der 61-Jährige als Aufsichtsrat von Konzernen wie Siemens mit den Bossen der Republik gut versteht, irritiert Traditionalisten. Die „Fundis“ haben indes an Einfluss verloren. Ähnlich wie sich einst Joschka Fischer bei den Grünen auf Dauer durchgesetzt hat, verstand es der 68er Huber, geschickt nach oben zu gleiten und dabei die IG Metall derart in die Mitte zu rücken, dass Kanzlerin Angela Merkel und Siemens-Chef Peter Löscher seinen Rat suchen, was wiederum einigen zu weit geht. Dafür bekam Huber beim Gewerkschaftstag in Karlsruhe die Quittung. Sein Plan, den Vorstand zu verkleinern, scheiterte. Der Weg, einen mit knapp 2,25 Millionen Mitgliedern gewaltigen Apparat weg vom Betonkopf-Image zu führen, geht nicht ohne Blessuren ab. Der Stratege Huber reagierte auf die Niederlage gefasst. Er schaltete auf Plan B um und setzte seinen Augsburger Realo-Mann Jürgen Kerner als neues Vorstandsmitglied durch.
Früher in privaten Dingen eher zurückhaltend, hat sich Huber geöffnet. Er wuchs mit sechs Geschwistern in einer katholischen Familie in Herrlingen bei Ulm auf. Sein Vater war Ingenieur und wollte, dass er Jura studiert – ein Ansinnen, das in dieser Generation oft nur eines hervorrief: Aufbegehren. „Da habe ich mir was gesucht, wo ich mich selbst finanzieren konnte: Werkzeugmacher bei der Busfirma Kässbohrer in Ulm.“ Schmunzelnd meint er: „Ich wollte damals die Weltrevolution.“ Es folgte ein langer Marsch durch die Institutionen.
Hubers Erfolge, auch der erste Mitgliederzuwachs seit rund 20 Jahren, machen ihn gelassener. Der Vater von drei Kindern spricht offen darüber, wie er sich einst als Alleinerziehender um seine Tochter kümmerte. Auch klärt er auf, warum seine Hände zittern: „Das habe ich schon als Kind gehabt. Mein Vater schleifte mich durch Unikliniken, aber die fanden nichts.“ In der Schule lachten Kinder, als er schiefe Linien auf die Tafel malte. Huber sagte: „Ihr seid Arschlöcher, sucht euch einen anderen Klassensprecher.“ Solche Erlebnisse haben ihn geprägt und zu einem nachdenklichen Mann gemacht. Stefan Stahl