Samstag, 18. Mai 2013

09. Mai 2012 11:57 Uhr

Jewgenija und Julia Timoschenko

Die Tochter steht für ihre Mutter ein

Jewgenija Timoschenko hat sich im Kampf, die ukrainische inhaftierte Oppositionsführerein Julia Timoschenko, für ihre Mutter vom scheuen Mädchen zur mutigen Frau gewandelt. Von Joshena Dießenbacher

Julia Timoschenko, die Frau mit dem engelsgleichen Gesicht, ist die ukrainische Oppositionsführerin, die seit Monaten im Gefängnis sitzt, schwer krank, bis gestern im Hungerstreik – und offenbar in der Haft misshandelt, wie Bilder nahelegen, auf denen sie erschreckend blass und entkräftet aussieht. Wenn eine Karrierefrau – die sich mit Haarkranz und Auftreten erfolgreich zur „Mutter Ukraine“ stilisiert hat – solche Bilder von sich zeigt, soll das wohl signalisieren: Die Lage ist ernst. So ernst, dass Tochter Jewgenija Timoschenko nicht ruht, bevor der Westen sich nicht hinter die 51-Jährige stellt. Und gegen Viktor Janukowitsch, den umstrittenen Präsidenten der Ukraine.

Jewgenija ist neben Julia Timoschenko aufgewachsen

Julia Timoschenko war 2011 zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, weil sie während ihrer Amtszeit als Regierungschefin angeblich ein für ihr Land schädliches Gasgeschäft mit Russland abgeschlossen hatte. Das war der Moment, in dem die Tochter der Mutter die Hand hielt, in dem es aussah, als seien die beiden unzertrennlich. Das aber ist mitnichten immer so gewesen. Vielmehr ist Jewgenija nicht mit, sondern neben ihrer berühmten Mutter aufgewachsen: Die Großmutter hat sie erzogen, mit 14 Jahren wurde sie auf ein Internat in der Nähe von London geschickt.

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Denn die Mutter erwies sich schon damals als so geschickt im Umgang mit den Mächtigen, handelte so erfolgreich mit Gas, dass sie früh zu einer schwerreichen Frau wurde. Viel Zeit für ihre Tochter hatte sie nicht. Die lebte derweil ihr Leben in England, abseits des Rampenlichtes, studierte Politik und Ökonomie und heiratete einen tätowierten Rocker (von dem sie sich wieder trennte).

Wird Jewgenija Timoschenko die neue Oppositionsführerin?

Das fein gezeichnete Gesicht, die braunen, wachen Augen und die langen, blondierten Haare: Jewgenija Timoschenko sah bisher nur aus wie ihre Mutter, gab sich aber nicht so. „Ich tue nichts Besonderes, deshalb fühle ich mich unwohl, wenn ich mit Journalisten sprechen muss“, erklärte sie noch vor Jahren. Das sehen vor allem junge Ukrainer mittlerweile anders: Sie handeln die 32-Jährige bereits als neue Oppositionsführerin. „Ich bin keine Politikerin“, lehnt diese ab. „Ich muss einfach weiterkämpfen für meine Mutter.“

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