Die Terrorattacken vom 11. September 2001 waren nicht nur ein weltpolitischer Einschnitt - der Schock von 9/11 hat auch die Versicherungswirtschaft radikal verändert. "Früher hätte niemand erwartet, dass eine Anschlagsserie allein solche Folgen haben könnte", sagte Dirk Harbrücker, Vorstand beim nach eigenen Angaben einzigen deutschen Terrorversicherer Extremus, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Das ungeahnte Ausmaß politischer Gewalt habe der Branche neue Geschäftsfelder eröffnet - zugleich aber selbst nüchterne Analysten im Mark erschüttert.
Von einzelnen Nadelstichen zu einem Höchstmaß an Zerstörung
"Was es vor 9/11 gab, waren mit Sprengstoff beladene Lieferwagen oder auch mal Versuche, Flugzeuge mit Stinger-Raketen abzuschießen", erklärte Harbrücker. Mit den Angriffen von Al Kaida auf New York und Washington vor knapp zehn Jahren habe sich die Definition dessen, was Terrorismus im Kern ist, dann stark verändert. Viele Terroristen hätten ihre Methoden von einzelnen Nadelstichen zu Attacken mit einem Höchstmaß an symbolischer Zerstörung gewandelt, sagte der Versicherungsmanager. Der neue Terrorismus richte sich gegen Regierungen, teils aber auch gegen ganze Gesellschaften. Er sei daher noch unkalkulierbarer als der klassische politische Terror. Die Attentate in den USA hätten dabei eine "Stunde null" markiert. Entscheidend für die Abdeckung von Terrorschäden sei, dass die Angreifer ein ideologisches "Statement" mit ihren Taten verbinden. "Dabei machen wir keinen Unterschied, wo der Terror herkommt", sagte Harbrücker.
So habe man etwa die jüngsten Unruhen in England durchaus als Terror einstufen können, "wenn es einen charismatischen Anführer gegeben hätte oder das Ganze ideologisch verbrämt worden wäre". Extremus wurde ein Jahr nach den Al-Kaida-Anschlägen in den USA gegründet. Das Kölner Unternehmen wird von Erst- und Rückversicherern getragen. Im Fall von Terrorschäden etwa an Produktionsanlagen oder Gebäuden garantiert der Bund eine Haftung, wenn das Ausmaß die Schwelle von zwei Milliarden Euro übersteigt - bis zu dieser Summe müssen die privaten Träger für Entschädigungen geradestehen. "Ziel war es, sicherzustellen, dass wir ein Land bleiben, in dem Firmen beruhigt investieren können", sagte Harbrücker mit Blick auf die zeitweilig hohe Terrorgefahr auch in Deutschland.
Es gibt auch Terror von rechts oder links
Dass das allgemeine Risiko abflaut, glaubt er nicht: "Wir denken heute meist nur an islamistischen Terror. Wir müssten öfter aber auch an Terror von ganz links oder ganz rechts denken." Die höchste Gefahr bestehe in Zentren von Städten mit mindestens 500.000 Einwohnern sowie auf großen Flughäfen, die mehr als fünf Millionen Passagiere pro Jahr haben. "Dann kommen die Speckgürtel um die Metropolen und Städte ab 100.000 Einwohnern. Erst danach kommt das flache Land." Auch die Absicherung von Bahnhöfen, Sportstadien oder großen Messen werde immer häufiger nachgefragt. Jan-Henrik Petermann, dpa