Nicht nur Madeleine Schickedanz hat in der Krise ein Vermögen verloren. Auch andere Vertreter des Geldadels müssen sparen. Das spüren die Produzenten von Luxusgütern. Von Josef Karg

Madeleine Schickedanz hat es nicht leicht. Die Quelle-Erbin hat durch die Arcandor-Pleite gerade praktisch ihr gesamtes Vermögen verloren, das sie in den elterlichen Betrieb gesteckt hatte. Es waren immerhin selbst zuletzt noch einige hundert Millionen Euro.
Insgesamt belaufen sich die Verluste bei ihr aber auf über drei Milliarden Euro. All das schöne Geld, futschikato, auf Nimmerwiedersehen.
Schon vor Wochen hat die Frau mit dem gepflegten Teint geklagt, dass sie inzwischen bereits zum Italiener um die Ecke Pizza essen gehe und von 500 Euro im Monat lebe. Spötter mögen höhnen: "Es kann halt nicht immer Kaviar sein..."
Die volle Härte bekommt Madeleine Schickedanz wohl trotzdem nicht zu spüren. Ihr wird nach Einschätzung aus Finanzkreisen noch genug Geld bleiben, um weiterhin ab und an nach New York zum Shoppen zu fliegen. Ihr Ehemann ist vermögend, sie selbst wird wohl noch über die eine oder andere stille Reserve verfügen und auch künftig nicht wie andere zum Arbeitsamt gehen oder gar von Hartz IV leben müssen.
Trotzdem ist es ein erstaunliches Faktum an der jüngsten Krise: Diesmal trifft es nicht nur Otto Normalbürger, sondern auch den Geldadel. Indiz dafür ist der Luxusmarkt. Bulgary schrieb zuletzt Verluste, der weltgrößte Diamantenhersteller de Beers stellte sogar die Produktion kurzzeitig ein. Auch andere Toplabels sind in Schwierigkeiten. Denn selbst bei den Wohlhabenden sitzt das Geld nicht mehr ganz so locker.
Viele der Reichen haben in den vergangenen Monaten eine Menge Geld in den Sand gesetzt - zumindest auf dem Papier. Denn ihre Unternehmen und Beteiligungen verloren teilweise enorm an Wert. Nach dem Global Wealth Report der Unternehmensberatung Capgemini und der Bank Merrill Lynch ist die Zahl der Millionäre deutlich geschrumpft. Hatten 2007 noch rund zehn Millionen Menschen ein Vermögen von einer Million Dollar oder mehr, waren es im Jahr darauf nur noch 8,6 Millionen. Die Tendenz ist sinkend.
Selbst viele Milliardäre hat es getroffen. Die Liste des US-Magazins Forbes ist deutlich kürzer geworden. Im März 2008 führte sie noch 1125 Milliardäre. Vor sechs Monaten waren es noch 793. In Zahlen: Sensationelle 1,4 Billionen Dollar waren plötzlich verschwunden. Man wüsste gerne wohin.
Die Verlustliste ist illuster: Microsoft-Gründer Bill Gates soll 18 Milliarden Dollar auf der Strecke gelassen haben, der Finanzguru Warren Buffett sogar 25 Milliarden. Selbst russische Oligarchen vom Kaliber eines Roman Abramowitsch mussten finanziell ordentlich bluten, superreiche Inder wie Lakshmi Mittal (Arcelor Mittal) ebenso.
Abramowitsch wird es verkraften, vielleicht wird er seine Fußballklubs (u. a. Chelsea London) etwas kürzer halten. Für Jachten, Privatjets und Villen reichen die restlichen Milliarden bei ihm und den anderen aber noch für Generationen.
In Deutschland ist übrigens Schickedanz auch nicht die Einzige, die schwere Verluste einfuhr. Die Albrecht Brüder (Aldi) beispielsweise sollen nach dem Ende des Kasinokapitalismus der vergangenen Jahre einige Milliarden verloren haben. BMW-Hauptaktionärin Susanne Klatten traf es am schlimmsten. Sie, die laut Forbes-Liste reichste Frau Deutschlands, Erbin eines Milliardenvermögens der Familie Quandt, war zunächst auf einen falschen Liebhaber und Erpresser hereingefallen. Zudem soll sich ihr Vermögen laut FAZ am Sonntag in der Krise um über drei Milliarden Dollar dezimiert haben.
Den Milliardärs-Kollegen Michael Otto (Otto-Versand) und Michael Herz (Tchibo) oder Maria-Elisabeth Schaeffler ("Ich bin keine Schickimicki-Dame"), die sich bei der Übernahme des Conti-Konzerns verrechnet hatte, erging es finanziell kaum besser.
Für alle Milliardäre, deren Seele jetzt nicht mehr ganz so fröhlich baumelt, eine kleine Nervenstütze von der Psychologin und Finanz-Trainerin Monika Müller: "Macht und Freiheit hängen nicht davon ab, ob man 100 Euro oder eine Million Euro hat. Wer glaubt, sich mit Geld viel Freiheit erkaufen zu können, der irrt", sagt sie. Insofern müsste sich mancher sogar eher erleichtert fühlen.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: