Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi muss sich zunehmend einsam fühlen: Immer mehr Generäle und Getreue setzen sich ab – vor allem in den südlich gelegenen Niger. Nun kam auch Gaddafis drittältester Sohn Saadi (38) in dem libyschen Nachbarland an, während von dem gestürzten Tyrannen weiterhin jede Spur fehlt.
Gaddafi-Spross Saadi hatte vor allem Schlagzeilen gemacht, weil er versucht hatte, als Fußballprofi in Italien Fuß zu fassen. Später suchte er sein Glück als Filmproduzent. Dann ging er zur libyschen Armee, wo er zuletzt eine Eliteeinheit kommandiert haben soll. Er galt wie alle Gaddafi-Söhne als Teil des Unterdrücker-Regimes.
Drei weitere Gaddafi-Kinder und seine Ehefrau hatten sich bereits Ende August nach Algerien abgesetzt und waren dort aus humanitären Gründen aufgenommen worden. Algerien soll Gaddafi im Krieg gegen die Opposition heimlich unterstützt haben. Zuletzt hatte das westafrikanische Land Guinea Bissau dem Despoten Asyl angeboten. Doch vor allem der Niger scheint derzeit zum beliebten Zufluchtsort für die Gaddafi-Gefolgschaft zu werden. „Wir nehmen sie aus humanitären Gründen auf“, rechtfertigte ein Sprecher von Nigers Staatschef Mahamadou Issoufou die Einreise von immer mehr Gaddafi-Regimeangehörigen. Dies seien keine steckbrieflich gesuchten Leute. Der Internationale Strafgerichtshof hat bisher nur gegen Gaddafi selbst, seinen Sohn Saif und Geheimdienstchef Abdullah Senussi Haftbefehle wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgestellt.
Einige Mitglieder des gestürzten Regimes sollen inzwischen in Nigers westliches Nachbarland Burkina Faso weitergereist sein. Der Niger wie Burkina Faso waren von Gaddafi zu früheren Zeiten mit viel Geld und großen Investitionen gestützt worden.
In der noch immer von Gaddafi-Soldaten gehaltenen libyschen Wüstenstadt Bani Walid wurde gestern wieder heftig gekämpft. Auch in der Umgebung der von den Rebellen belagerten Gaddafi-Hochburg Sirte, wo wie in Bani Walid Gespräche über eine Kapitulation scheiterten, gab es Gefechte.
Gaddafi selbst verschwindet unterdessen immer weiter aus dem Alltag in Libyen: Die Banken beschlossen, eine Banknote mit dem Bildnis des langjährigen Machthabers aus dem Verkehr zu ziehen. Die Scheine würden eingesammelt und der Zentralbank übergeben, sagte ein Vertreter der National Commercial Bank. mit afp