Auf Kritik auch bei den eigenen Parteifreunden sind die Äußerungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Tod von Osama bin Laden gestoßen. Siegfried Kauder (CDU), der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, sagte der "Passauer Neuen Presse": "Ich hätte es so nicht formuliert. Das sind Rachegedanken, die man nicht hegen sollte. Das ist Mittelalter." Die Bundeskanzlerin hatte wörtlich erklärt: "Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten."
Kauder äußerte auch Zweifel an der rechtlichen Grundlage für die Tötung: "Eine willkürliche Tötung ist nach dem internationalen Pakt über bürgerliche und politische Freiheiten nicht erlaubt. Wenn man zu dem Ergebnis kommt, Bin Laden war schon längst nicht mehr aktiv, könnte die Tötung willkürlich sein", sagte er. Kauder fordert genaue rechtliche Regelungen. "Hier sind die Vereinten Nationen gefordert, endlich verbindliche Regeln zu schaffen. Es muss glasklar sein, was geht und was geht nicht."
Die Vizepräsidentin des Bundestages, Katrin Göring-Eckardt, sagte der "Berliner Zeitung": "Als Christin kann ich nur sagen, dass es kein Grund zum Feiern ist, wenn jemand gezielt getötet wird." Die Politikerin der Grünen ist Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands. Es könne nicht die erste Absicht sein, jemanden zu töten, egal, wie schlimm er gehandelt habe. Richtig wäre es gewesen, Bin Laden festzunehmen und einem ordentlichen Verfahren zuzuführen, so Göring-Eckardt. "Das wäre einem Rechtsstaat angemessen."
Die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Ingrid Fischbach, ging ebenfalls zu ihrer Parteichefin auf Distanz. "Aus christlicher Sicht ist es sicher nicht angemessen, Freude über die gezielte Tötung eines Menschen und dessen Tod zu äußern", so die Politikerin, die auch dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken angehört. Es dürfe aber nicht vergessen werden, dass Osama bin Laden über Jahre hinweg der Drahtzieher unzähliger Terroranschläge in der ganzen Welt war.
Auch vom katholischen Militärbischof Franz-Josef Overbeck gab es Kritik. "Man kann sich als Mensch und erst recht nicht als Christ über den Tod eines Menschen freuen", sagte er den Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe (Mittwoch). "Das gilt auch, wenn er ein Gewalttäter war." Der Bischof von Essen weiter: "Es wäre besser gewesen, wenn sich Bin Laden vor einem Gericht seiner Verantwortung gestellt hätte."
dpa