Im Kampf um die Kontrolle über das japanische Atomkraftwerk Fukushima haben die Einsatzkräfte einen Rückschlag verkraften müssen. Über zwei Blöcken stiegen am Montag wieder Rauch und Dampf auf. Der Rauch wurde über dem Abklingbecken von Block 3 gegen 16 Uhr Ortszeit gesichtet, der sich dann wieder verzog. Später war über Block 2 Dampf zu sehen.
Die Ursachen waren in beiden Fällen unklar, wie ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde Japans sagte. Die Radioaktivität sei nicht dramatisch gestiegen. Tepco zog wegen des Rauchs Arbeiter zwischenzeitlich ab. Block 3 des Katastrophen-Kraftwerks gilt als besonders gefährlich, da er Brennstäbe aus einem Plutonium-Uran-Mischoxid (Mox) benutzt. Plutonium ist radioaktiv und hochgiftig.
Gleichzeitig wuchs in Japan die Angst vor radioaktiv verseuchten Lebensmitteln. In den Gebieten rund um die Krisenregion im Nordosten steigt die Strahlenbelastung in Essen und Trinkwasser. Für vier Präfekturen gilt ein Lieferverbot für Milch und Gemüsesorten. Ein Dorf in der Fukushima-Region darf kein Leitungswasser trinken.
Derweil kam ans Licht, dass der Betreiber Tepco schon vor dem Unfall bei der Wartung geschlampt hat. Die japanische Atomsicherheitsbehörde warf Tepco einige Tage vor der Katastrophe Inspektionsmängel vor. 33 Geräte und Maschinen seien im Kraftwerk Fukushima Eins nicht ordnungsgemäß überprüft worden. Ähnliche Mängel habe es in Fukushima Zwei und dem Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa an der Westküste Japans gegeben. Insgesamt seien in allen drei Anlagen mehr als 400 Geräte und Maschinen nicht wie vorgeschrieben inspiziert worden.
In Fukushima beschossen erneut Wasserwerfer Abklingbecken der Reaktoren 3 und 4 mit Meerwasser, um die Brennstäbe zu kühlen. Im Unglücks-AKW war es am späten Sonntag gelungen, die Schaltanlagen von Block 1 und 2 an die Stromversorgung anzuschließen. So soll die Reaktorkühlung hergestellt werden. Allerdings ist unklar, ob die Pumpen noch funktionieren.
Die Polizei geht mittlerweile von knapp 22 000 Toten und Vermissten durch Erdbeben und Tsunami aus.
Überprüfung deutscher Meiler noch nicht geregelt
In Deutschland ist sich die Bundesregierung eine Woche nach Beginn des dreimonatigen Atom-Moratoriums nicht sicher, wie die Sicherheitschecks in den deutschen Kernkraftwerken aussehen sollen. Darüber werde heute bei einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Kernkraftwerken gesprochen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert gestern in Berlin.
Das Umweltministerium räumte ein, dass der Zeitraum von drei Monaten eine politische Vorgabe und kein fachliches Erfordernis ist. Die Kritik von Umweltschützern, dass drei Monate für sinnvolle Sicherheitschecks nicht ausreichten, wies die Regierung zurück. (dpa, dapd)