Die Tests der europäischen Atomkraftwerke sind laut den Umweltschützern von Greenpeace nicht ausreichend. Einige mögliche Szenarien werden demnach nicht berücksichtigt.

Die Umweltschützer von Greenpeace sind unzufrieden mit den Akw-Stresstests. Die im Juni gestarteten Tests für die europäischen Atomkraftwerke werden nach Einschätzung von Greenpeace nicht so gründlich ausgeführt wie angekündigt. Bei der Sicherheitsprüfung der Atomkraftwerke sei die Liste der tatsächlich untersuchten möglichen Schwachstellen nicht ausreichend. Es gebe «große blinde Flecken», erklärte die Umweltschutzorganisation am Freitag in Brüssel.
Mehrere Szenarien würden bei den Überprüfungen nicht berücksichtigt: Demnach werde das Risiko durch Abstürze großer Flugzeuge weitgehend ignoriert, darüber hinaus sei das gleichzeitige Versagen mehrerer Meiler in einer Anlage kaum berücksichtigt. Dies gehe aus einer Sichtung der vorläufigen Berichte hervor, die Betreiber und nationale Aufsichtsbehörden im August und September fertigstellen mussten.
Deutschland liege «in der besseren Mittelschicht», was die Qualität der Tests und Berichte angehe, sagte der Greenpeace-Experte Jan Haverkamp. Es werde beispielsweise nicht berücksichtigt, wohin bei einem Unfall radioaktiv verseuchtes Kühlwasser fließe. Besonders negativ steche Tschechien heraus, von wo zu sechs Atomkraftwerken nur insgesamt sieben Seiten Bericht vorlägen. In Tschechien wie Großbritannien, Spanien, Ungarn und der Slowakei werde das Risiko ignoriert, dass bestimmte Reaktoren nur eine einzige Schutzhülle besäßen.
Frankreich zähle dagegen zu den Ländern, in denen eine unabhängige Atomaufsicht vergleichsweise gründliche Tests gewährleiste.
Die Tests waren im März von den Staats- und Regierungschefs der EU als Lehre aus der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima vereinbart worden. Entwickelt wurden sie von der EU-Kommission und der Gruppe der Europäischen Nuklear-Aufsichtsbehörden (ENSREG). Die Greenpeace-Analyse stützt sich auf vorläufige Prüfberichte und urteilt über die darin zu Tage tretende Qualität der Tests - nicht über die Sicherheit der Anlagen selbst. Der abschließende EU-Gesamtbericht soll im Juni 2012 veröffentlicht werden. afp
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