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01. September 2010 19:45 Uhr

Öffentlichkeitsarbeit

Karl-Theodor zu Guttenberg, der Selbstdarsteller

Verteidigungsminister zu Guttenberg beherrscht die Kunst des Posierens wie kein anderer im Berliner Kabinett. Für ein gutes Bild ist ihm kein Weg zu weit. Von  Josef Karg

Auf dem Exklusivfoto in der Bild-Zeitung vergangene Woche sieht er aus wie Hollywood-Star Tom Cruise in "Top Gun": Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in grüner Fliegermontur und mit Heldenblick vor einem Eurofighter in Neuburg an der Donau. Die ganze Ausgabe ist im 3-D-Format: Wer ihn so mit spezieller Brille betrachtet, gewinnt den Eindruck, Deutschlands beliebtester Politiker würde aus dem Blatt herausragen.

Der offizielle Grund für den coolen Auftritt: Guttenberg besuchte den Luftwaffenstützpunkt, um sich einen Spezialanzug anpassen zu lassen, wie ihn die Jetpiloten tragen. Denn der Verteidigungsminister will in den kommenden Wochen in einem Eurofighter mitfliegen. Er selbst sagt dazu: "Ich möchte selbst erfahren, welchen ungeheuren Belastungen unsere Piloten ausgesetzt sind."

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Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Baron ganz speziell in Szene setzt. Ob als Fan im AC/DC-T-Shirt, als DJ oder als Soldatenvater an der Front - der Minister hat ein Händchen für groß inszenierte Auftritte. "Es gibt in der Bundesregierung kein größeres PR-Talent als ihn", meint Michael Spreng. Der muss es wissen. Spreng war Stoibers Medienberater während dessen Kanzlerkandidatur 2002.

Während der PR-Experte am kantigen Stoiber eine Menge zum Glätten hatte, sieht er beim Verteidigungsminister "wenig Bedarf". Kein Wunder: Dass alles professionell abläuft, dafür sorgt in Berlin auch eine eigene Stabsabteilung.

Im Gegensatz zu seinem Parteichef Horst Seehofer, der am liebsten auf sein eigenes Bauchgefühl vertraut, ließ zu Guttenberg in seinem Ministerium ein neues PR-Referat "Strategische Kommunikation" gründen. Geleitet wird es vom ehemaligen Parlamentskorrespondenten der Welt, Joachim Peter. Dessen Aufgabe ist es, am Image des Ministers weiter zu feilen.

Dabei hätte zu Guttenberg das im Gegensatz zu den meisten seiner Kabinettskollegen gar nicht nötig. In der Meinungsumfrage "ARD-Deutschlandtrend" genoss er im August mit weitem Abstand die höchste Popularität: 71 Prozent sind mit seiner Leistung zufrieden. Zum Vergleich: Gesundheitsminister Philipp Rösler von der FDP liegt gerade einmal bei 18 Prozent.

So beliebt zu Guttenberg ist, seine Popularität ruft auch Mahner auf den Plan, er könne die Show überziehen. Zwei Fehler hat der Franke nach Ansicht von Spreng bereits gemacht: den, als er in Neuburg als Pilot posierte, und den, als der frühere Wirtschaftsminister bei einem Besuch in New York am Times Square den dynamischen Weltpolitiker gab. Kurt Kister, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, ätzte damals: "Wenn jemand nach New York fährt, und sei es, um zu zeigen, wie bedeutend er ist, dann lässt er sich am Times Square fotografieren. Wenn es geht nachts, denn da blinken die vielen Lichter, die es so weder in Berlin noch in München und nicht einmal in Kulmbach gibt."

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, geht in seiner Kritik an zu Guttenberg weiter: "Ich habe den Eindruck, dass die Bundeswehr für ihn nur Kulisse seiner Selbstinszenierungen ist." Kein Weg sei ihm dafür zu weit.

Grünen-Chefin Claudia Roth schätzt Guttenbergs Posen auch nicht: "Er verkennt die Verantwortung, die ein Verteidigungsminister gegenüber seinen Soldatinnen und Soldaten im Einsatz hat. Diese Art der Militarisierung der bundesdeutschen Politik ist nicht nur angesichts der Lage in Afghanistan geschmacklos." Zu Guttenberg sollte als Minister lieber seinen Job tun, anstatt fürs Familienalbum Modestrecken in Oliv zu produzieren.

Ex-Volkswagen-Vorstand und PR-Experte Klaus Kocks sieht gar eine Karriere mit schlechtem Ausgang voraus: "Was ihn treibt, ist die Eitelkeit. Kenner der griechischen Tragödie wissen, was ihn eines Tages umbringen wird, seine Eitelkeit." Mal sehen, wie sich seine Partei ihm gegenüber verhält, wenn er mal stolpert, fragt sich Arnold. In der CDU/CSU gebe es durchaus Neider: "Hochmut kommt vor dem Fall", habe ein CDU-Politiker in einem Hintergrundgespräch erzählt, sagte Arnold. Spreng widerspricht: "Der Minister wird den Bogen nicht überspannen."

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