Japanische Medien berichteten am Mittwoch, dass die Arbeiter das Leck, durch das stark verstrahltes Wasser in den Ozean lief, stopfen konnten. Dazu wurde Flüssiggas eingesetzt. Rund 6000 Liter davon hatten 52 Arbeiter in einem langen Nachteinsatz an acht Stellen im Bereich des betreffenden Schachts gegossen.
Abzuwarten bleibt jedoch, ob die Abdichtung an der Betonwand eines Kabelschachtes halten wird. Auch die Frage, ob weitere Lecks im Atomkraftwerk aufgetreten sind, muss noch geklärt werden.
Die Folgen der Strahlenbelastung für das Ökosystem im Pazifik dürften erst nach und nach zutage treten. Die Strahlung im Meer ist an einigen Messpunkten nahe der Anlage stark erhöht. Bei einer Untersuchung war am vergangenen Samstag eine Konzentration von Jod-131 gemessen worden, die um das 7,5 Millionenfache über dem gesetzlichen Grenzwert lag.
Der Atombetreiber Tepco hatte geschätzt, dass das verseuchte Wasser aus dem Reaktor 2 ins Meer geströmt war. In diesem Reaktor war es an den Brennsteben zu einer vorübergehenden Kernschmelze gekommen. Das Abwasser sammelte sich später in dem Turbinengebäude von Reaktor 2 sowie in angeschlossenen Untergrundschächten, die bis in die Nähe des Ufers reichen.
11.500 Tonnen verseuchtes Wasser ins Meer geleitet
Auch in anderen Teilen der Atomanlage steht noch viel Wasser. Um Platz für diese hochgradig verseuchte Brühe zu schaffen, leitet Tepco seit Montag 11.500 Tonnen anderes, schwach verstrahltes Wasser ins Meer. Diese Aktion dürfte bis zum Mittwochabend abgeschlossen sein.
Keine Entwarnung für das Leck am Kraftwerk
Obwohl es im Kampf gegen das Wasser erste Erfolge gegeben hat, wollen Experten noch keine Entwarnung geben. Tepco wurde von der japanischen Aufsichtsbehörde angewiesen, zu beobachten, ob das Leck wirklich dicht ist und das verseuchte Wasser nicht anderswo ausläuft, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.
Wie sich der aktuelle Zufluss von radioaktivem Wasser weit draußen auf dem Meer auswirke, werde sich erst in etwa zehn Tagen zeigen, sagte der Sprecher des Johann-Heinrich-von-Thünen-Instituts, Michael Welling, der Nachrichtenagentur dpa. Die Experten betonen regelmäßig, dass sich die Radioaktivität im Meer stark verdünnt.
Stand der Verstrahlung von Speisefisch erst in Wochen absehbar
Ein japanisches Forschungsschiff nimmt rund 30 Kilometer von der Küste entfernt Proben. Dort seien die Messewerte in den vergangenen Tagen wieder rückläufig gewesen, sagte der Experte. Bis zu einer möglichen Verstrahlung von Speisefischen weit draußen auf dem Ozean könnten seiner Einschätzung nach noch Wochen oder sogar Monate vergehen. Sie stünden weit oben in der Nahrungskette und nähmen die Belastung weniger über das Wasser, sondern vielmehr über ihre Nahrung auf, sagte Welling.
Erste Versuche der Leck-Abdichtung gescheitert
Zuvor waren Versuche gescheitert, das Leck mit Zement oder mit anderen chemischen Bindemitteln zu stopfen. Um die Gefahr neuer Lecks einzudämmen, erwägt der Betreiber, die Abwasserzugänge mit Stahlplatten zu versperren.
An den Reaktoren selbst ist die Lage weiter schwierig. Auch die Gefahr einer Verschärfung ist nicht gebannt. Deshalb will Tepco Stickstoff in die Meiler leiten, um weitere Explosionen zu verhindern. Wie die japanische Zeitung "Yomiuri Shimbun" unter Berufung auf das Unternehmen berichtete, soll voraussichtlich am Mittwochabend in das Gebäude von Reaktor 1 Stickstoff geleitet werden. Es bestehe die Gefahr, dass sich durch die beschädigten Brennstäbe Wasserstoff im Reaktorgebäude angesammelt habe. Solcher Wasserstoff hatte schon zu Beginn der Krise zu Explosionen geführt.
Tepco denkt über Entschädigungsfonds nach
Tepco überlegt, die Opfer der Atomkatastrophe über einen Fonds zu entschädigen. Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Mittwoch meldete, würden sich sowohl der Betreiber als auch der Staat daran beteiligen. Wie viel Geld die Opfer am Ende bekommen könnten, wird noch geprüft. Es sind nicht nur die Bewohner der Risikozone um das AKW betroffen, sondern auch Landwirte und Fischer. Auch Firmen erlitten enorme Schäden.
Japan überdenkt Bestimmungen zur Strahlendosis
Angesichts der Atomkrise überdenkt die japanische Regierung ihre Bestimmungen zur erlaubten jährlichen Strahlendosis. Weil die Bewohner aus der Region um das zerstörte Kernkraftwerk Fukushima Eins über einen längeren Zeitraum dem Risiko radioaktiver Strahlen ausgesetzt seien, könnten Anpassungen notwendig werden, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Mittwoch laut japanischen Medienberichten.
Nach den gegenwärtigen Bestimmungen erfordert eine radioaktive Konzentration von über 50 Millisievert eine Evakuierung. Sobald 10 Millisievert überschritten sind, werden die Bewohner aufgefordert, im Haus zu bleiben. Basierend auf diesen Zahlen hatte die Regierung Bewohner im Umkreis von 20 Kilometern um das Kraftwerk Fukushima Eins aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Diejenigen Bewohner, die im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern leben, sind weiterhin aufgefordert, ihr Haus nicht zu verlassen. AZ/ dpa