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28. August 2010 11:52 Uhr

Bahnhofsumbau

Mit Großdemo und Menschenkette gegen Stuttgart 21

Die baden-württembergische Landeshauptstadt entwickelt sich zur bundesweiten Demo-Hauptstadt: Am Freitagabend kamen 40.000 Menschen in die Stuttgarter Innenstadt zu einer Demonstration.

Die baden-württembergische Landeshauptstadt entwickelt sich zur bundesweiten Demo-Hauptstadt. Am Freitagabend kamen trotz strömenden Regens nach Veranstalterangaben 40.000 Menschen in die Stuttgarter Innenstadt zu einer Demonstration und einer Menschenkette, die Polizei sprach von 30.000 Teilnehmern. "Die Leute sind erzürnt darüber, dass das Projekt nun mit allen Mitteln vorangetrieben werden soll", sagte einer der Organisatoren.

Die Kundgebung begann mit dem lautstarken "Schwabenstreich", bei dem die Teilnehmer eine Minute lang mit Trillerpfeifen oder Topfdeckeln so viel Lärm wie möglich machten. Anschließend bewegte sich der Protestzug in Richtung des Landtags. Hunderte Polizisten aus dem ganzen Land waren im Einsatz.

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Die Gegner wollen einen Baustopp und eine Bürgerbefraung erreichen. Der Stuttgarter Kunsthistoriker Matthias Roser rief die Demonstranten dazu auf, mit ihren Protesten nicht nachzulassen. "Unumkehrbar ist nur eins: unser Widerstand", sagte Roser, der sich seit längerem für den Erhalt des denkmalgeschützten Bahnhofs einsetzt.

Gegner wollen sich nicht in die Gewaltecke stellen lassen

Am Mittwoch hatten Bagger mit dem Abriss des Nordflügels des Gebäudes begonnen. Seither hat der Protest an Schärfe zugenommen. Roser warnte: "Der Riss in unserer Stadt vertieft sich immer weiter". Die Stuttgarter Grünen-Kreisvorsitzende Irmal Neipp-Gereke machte für die Eskalation die Projektbetreiber verantwortlich. "Wir lassen uns nicht in die Gewaltecke stellen".

Bei dem 4,1 Milliarden Euro teuren Projekt soll der Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgewandelt und an die künftige Schnellbahntrasse nach Ulm angeschlossen werden. Kritiker halten das Bauvorhaben unter anderem für zu teuer. Für den Verkehr bringe es keinen entscheidenden Nutzen.

Bahnchef Rüdiger Grube ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass das Projekt durchgezogen werde. In einem Brief an seine Mitarbeiter hieß es unter anderem, er sei "zutiefst davon überzeugt, dass Stuttgart 21 richtig ist."

Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) warb in einem offenen Brief an seine Mitbürger für das Projekt. Es trage zur Zukunftsfähigkeit der Stadt, der Region und des Landes bei, betonte er. "Stuttgart 21 dient unseren Kindern und Enkelkindern." Den Demonstranten schrieb er ins Stammbuch, er habe kein Verständnis für Scharfmacher, die zur Radikalisierung beitrügen. Der baden-württembergische Städtetag riet den Gegnern ebenfalls zur Mäßigung.

Am Freitagmorgen hatte die Polizei eine Sitzblockade von Stuttgart-21-Gegnern beendet. Die Beamten trugen etwa 30 Demonstranten weg. Diese hatten Lastwagen daran gehindert, Abbruchmaterial abzutransportieren. (dpa)

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