Rom Es ist 13.24 Uhr, strahlender Sonnenschein in Rom. Da öffnet sich endlich die schwere Mahagonitür im altehrwürdigen Quirinalspalast, dem Sitz des italienischen Präsidenten. Fast zweieinhalb Stunden hat Mario Monti zuvor mit Staatschef Giorgio Napolitano die Ministerliste durchgesprochen. Solange wie nie zuvor bei solchen Ereignissen, sodass schon wieder spekuliert wird und die Börsen nervös reagieren. Doch jetzt tritt der frühere EU-Kommissar und renommierte Wirtschaftsprofessor vors Mikrofon und gibt sein Kabinett bekannt.
Der Neue umgibt sich mit Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Er halte es für ein gutes Zeichen, dass all seine Minister keine Politiker seien, sagt Monti. Das Kabinett Monti – die 63. Nachkriegsregierung Italiens – wurde noch am selben Tag vereidigt und wird heute dem Senat des Parlamentes sein Programm vorstellen.
Ganz neue Zeiten sollen beginnen im krisengeschüttelten Italien. Monti und seine Mannschaft wollen im Rekordtempo aufholen, was Berlusconi an Reformen versäumt hat. Er persönlich wird auch das Wirtschaftsministerium führen. Die drei Frauen in der Regierung glänzen durch ihre Fachkenntnis und nicht wie bei Berlusconi durch ihr Aussehen. Innenministerin Anna Maria Cancellieri (67) war Präfekt und Sonderkommissarin in Notstandsgebieten. Die 63-jährige neue Justizministerin Paola Severini ist Strafverteidigerin und Universitätsdozentin. Sozialexpertin Elsa Fornero (63) wird für Fragen der Gleichberechtigung zuständig sein. Berlusconi hatte diese noch einem ehemaligen Pin-up-Girl anvertraut.
Giulio Terzi di Santagata, derzeit Botschafter in Washington, wechselt an die Spitze des Außenministeriums. Für internationale Zusammenarbeit ist jetzt der 61-jährige Historiker Andrea Riccardi zuständig, besser bekannt als Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant Egidio in Rom.
Der Ministerpräsident will nicht dauerhaft in der Politik bleiben
Er gehe davon aus, bis zum regulären Ende der Legislaturperiode 2013 im Amt zu bleiben, sagte Monti. Fragen nach dem Inhalt beabsichtigter Reformen, um Italien wieder wirtschaftlichen Schwung zu verleihen, wies er noch zurück: „Mein Programm werde ich am Donnerstag im Parlament vorstellen.“ Da gilt es dann auch die erste Feuerprobe, nämlich die Vertrauensabstimmung, zu bestehen. Auf dem Papier hat Monti nur die Neinstimmen der Lega Nord zu befürchten – 84 von insgesamt fast 1000 Stimmen. Alle anderen Parteien kündigten vorerst Zustimmung an.
Dass er nach Ablauf seines Mandats nicht dauerhaft in der Politik bleiben will, hat Monti Pluspunkte eingebracht – sogar bei seinem Vorgänger, der ihn in den höchsten Tönen lobt. Schon am Dienstag hatte Berlusconi seine Räume im Ministerpräsidentenpalast räumen und über 60 Kartons in sein Privatappartement bringen lassen.