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Atomkraftwerk in Japan: Nordwind droht Strahlung nach Tokio zu wehen

Atomkraftwerk in Japan

Nordwind droht Strahlung nach Tokio zu wehen

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    Angst vor den Strahlen und trotzdem Disziplin: Warteschlange an einer Bushaltestelle in Tokio dpa
    Angst vor den Strahlen und trotzdem Disziplin: Warteschlange an einer Bushaltestelle in Tokio dpa

    In Japan dreht der Wind vorübergehend auf Nord und droht, radioaktive Partikel aus den havarierten Reaktoren Richtung Tokio zu wehen. Einige Stunden lang wehe der Wind am Dienstag (Mitteleuropäischer Zeit) in Bodennähe aus Norden, sagte Meteorologin Johanna Anger vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Dienstag. In Höhen von über 1000 Metern bleibe es bei der kräftigen Westströmung von der japanische Küste auf den Pazifik. Am Dienstagabend soll auch in tieferen Lagen der Wind wieder auf West drehen. Schadstoffe würden dann wieder auf das offene Meer geweht.

    Nach zwei erneuten Explosionen und einem  Brand im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 hat die Regierung  erstmals vor einer "Gesundheitsgefährdung" durch erhöhte  radioaktive Strahlung gewarnt. Die Strahlung um die Anlage sei  "beträchtlich gestiegen", sagte Regierungschef Naoto Kan am  Dienstag und forderte Menschen außerhalb der bereits evakuierten  Zone bis zu einem Umkreis von 30 Kilometern auf, in ihren Häusern  zu bleiben.

    Zwischen 6 und 6.15 Uhr am Dienstagmorgen (Ortszeit) ereignete  sich zunächst in Reaktor 2 eine "große Explosion", wie der  Akw-Betreiber Tepco mitteilte. Unklarheit herrschte, ob dabei  erstmals der Schutzmantel eines der insgesamt sechs Reaktoren in  Fukushima 1 beschädigt wurde. Während die Regierung zunächst  mitteilte, dies sei offenbar geschehen, erklärte die Behörde für  Atomsicherheit, anscheinend gebe es doch keine Löcher in der  Schutzhülle. Später hieß es, die Frage werde noch untersucht.

    Eine Beschädigung dieser Eindämmung kann durch eine Kernschmelze  verursacht werden, bei der die Brennstäbe schmelzen und sich die  glühende Masse durch die Stahlhülle des Schutzmantels frisst.  Darauf besteht die Gefahr, dass erhebliche Mengen Radioaktivität  entweichen. Je nach Windrichtung könnte dies auch eine Katastrophe  für den Großraum Tokio bedeuten, wo 35 Millionen Menschen leben.

    Japan: Retter geben nicht aufSpäter ereignete sich im Reaktor 4 der Atomanlage eine Explosion,  die ein Feuer auslöste. "Ein Brand ist in Reaktor 4 ausgebrochen  und die Strahlung ist beträchtlich gestiegen", sagte Regierungschef  Kan im japanischen Fernsehen. Die Regierung bitte deshalb alle  Menschen, die zwischen 20 und 30 Kilometer von der Anlage entfernt  wohnten, in ihren Häusern zu bleiben. Regierungssprecher Yukio  Edano erklärte, mit ausgetretenem Wasserstoff seien radioaktive  Substanzen in die Atmosphäre gelangt. "Anders als das, was bisher  passiert ist, gibt es keinen Zweifel, dass das erreichte Niveau die  menschliche Gesundheit beeinträchtigen kann."

    Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete wenig später, offenbar sei  der Brand inzwischen gelöscht. Der in Brand geratene Reaktor 4  hatte bisher keine offensichtlichen Probleme bereitet. Er war schon  vor der Erdbebenkatastrophe für Wartungsarbeiten stillgelegt worden.

    Nach Angaben von Regierungssprecher Edano wurden am Reaktor 3  Strahlenwerte von 400 Millisievert gemessen. Nahe Reaktor 4 seien 100 Millisievert gemessen worden. Eine Dosis von 1000 Millisievert  kann Symptome der Strahlenkrankheit wie Übelkeit und Erbrechen auslösen, eine Dosis von 5000 Millisievert würde etwa jeden zweiten  der Strahlung ausgesetzten Menschen innerhalb eines Monats töten.

    Im 250 Kilometer entfernten Tokio wurden nach Angaben der  Stadtverwaltung leicht erhöhte Strahlenwerte festgestellt. Die Radioaktivität sei aber so schwach, dass sie die menschliche  Gesundheit nicht beeinträchtige, hieß es.

    Fukushima: weitere Explosion und FeuerIm Atomkraftwerk Fukushima 1 kämpfen Techniker seit der Erdbeben-  und Tsunami-Katastrophe vom Freitag mit allen Mitteln darum, eine  Kernschmelze zu verhindern. Infolge der Naturkatastrophe waren  Kühlsysteme in der Atomanlage rund 250 Kilometer nördlich von Tokio  ausgefallen, was eine Kernschmelze befürchten ließ. Am Samstag  hatte die Regierung deshalb bereits mehr als 200.000 Menschen  aufgefordert, einen Bereich von 20 Kilometer um das Kraftwerk zu  verlassen.

    Am Samstag hatte sich eine erste Explosion in Reaktor 1  ereignet, wodurch das umgebende Gebäude zerstört wurde. Am Montag  gab es dann zwei Detonationen in Reaktor 3. In allen Fällen hatten  die Stahlummantelungen der Brennstäbe Behördenangaben zufolge  standgehalten - die letzte Barriere zwischen dem radioaktiven  Material und der Umwelt. afp

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