Die Strahlung im japanischen Kernkraftwerk in Fukushima ist weiter gestiegen. Die gemessenen Werte seien so hoch, dass das Personal nicht weiter in den Kontrollräumen des Reaktors bleiben könne, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.
Mit der vierten Explosion in dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat sich die Lage am Dienstag möglicherweise dramatisch zugespitzt. Durch die Explosion könnte zum ersten Mal die innere Schutzhülle eines Reaktors beschädigt worden sein. Die Regierung in Tokio räumte erstmals einen "beträchtlichen" Anstieg der Strahlung um die Anlage ein.
Japan: Retter geben nicht aufZwischen 06.00 und 06.15 Uhr am Dienstagmorgen (Ortszeit) ereignete sich zunächst in Reaktor 2 eine "große Explosion", wie der Akw-Betreiber Tepco mitteilte. Unklarheit herrschte, ob dabei erstmals der Schutzmantel eines der insgesamt sechs Reaktoren in Fukushima 1 beschädigt wurde. Während die Regierung zunächst mitteilte, dies sei offenbar geschehen, erklärte die Behörde für Atomsicherheit, anscheinend gebe es doch keine Löcher in der Schutzhülle. Später hieß es, die Frage werde noch untersucht.
Eine Beschädigung dieser Eindämmung kann durch eine Kernschmelze verursacht werden, bei der die Brennstäbe schmelzen und sich die glühende Masse durch die Stahlhülle des Schutzmantels frisst. Dann besteht die Gefahr, dass erhebliche Mengen Radioaktivität entweichen. Je nach Windrichtung könnte dies auch eine Katastrophe für den Großraum Tokio bedeuten, wo 35 Millionen Menschen leben. Allerdings drehte der Wind am Dienstag nach UN-Angaben in Richtung Meer. Im 250 Kilometer entfernten Tokio wurden nach Angaben der Stadtverwaltung leicht erhöhte Strahlenwerte festgestellt, die die menschliche Gesundheit aber nicht beeinträchtigten.
Später ereignete sich im Reaktor 4 der Atomanlage eine Explosion, die ein Feuer auslöste. "Ein Brand ist in Reaktor 4 ausgebrochen und die Strahlung ist beträchtlich gestiegen", sagte Regierungschef Naoto Kan im Fernsehen. Die Regierung bitte deshalb alle Menschen, die bis zu 30 Kilometer von der Anlage entfernt wohnten, in ihren Häusern zu bleiben. Am Samstag hatte die Regierung deshalb bereits mehr als 200.000 Menschen aufgefordert, einen Bereich von 20 Kilometer um das Kraftwerk zu verlassen. Regierungssprecher Yukio Edano erklärte, mit ausgetretenem Wasserstoff seien radioaktive Substanzen in die Atmosphäre gelangt. "Anders als das, was bisher passiert ist, gibt es keinen Zweifel, dass das erreichte Niveau die menschliche Gesundheit beeinträchtigen kann."
Fukushima: weitere Explosion und FeuerLaut Tepco wurde der Brand später mit Hilfe von US-Soldaten gelöscht. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien brach das Feuer in einem Lager für benutzte Brennelemente aus. Der Reaktor 4 war schon vor der Erdbebenkatastrophe vom Freitag für Wartungsarbeiten stillgelegt worden.
Im Atomkraftwerk Fukushima 1 kämpfen Techniker seit der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom Freitag mit allen Mitteln darum, eine Kernschmelze zu verhindern. Infolge der Naturkatastrophe waren Kühlsysteme in der Atomanlage ausgefallen, was eine Kernschmelze befürchten ließ. Am Samstag hatte sich eine erste Explosion in Reaktor 1 ereignet, wodurch das umgebende Gebäude zerstört wurde. Am Montag gab es dann zwei Detonationen in Reaktor 3. In allen Fällen hatten die Stahlummantelungen der Brennstäbe Behördenangaben zufolge standgehalten. Regierungschef Kan kritisierte laut der Nachrichtenagentur Kyodo scharf die Informationspolitik des Betreibers Tepco.
Die offizielle Opferzahl durch das schwerste Erdbeben in Japans Geschichte stieg auf 2414, wie die Polizei mitteilte. Tausende Menschen gelten aber noch als vermisst, viele werden unter Trümmermassen vermutet, die von einer vom Meer kommenden zehn Meter hohen Flutwelle bis weit ins Landesinnere hinterlassen wurden.
Am Dienstag wurden laut dem Fernsehsender NHK zwei Überlebende geborgen, eine 70 Jahre alte Frau und ein etwa 20-jähriger Mann. Die Chancen, in dem Gebiet noch Überlebende zu finden, waren vier Tage nach dem Beben und dem folgenden Tsunami vom Freitag erheblich gesunken. Das Technische Hilfswerk (THW) hatte eine Rettungsmission am Dienstag eingestellt.