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Bundestag: Streit um Papst-Boykott

Bundestag

Streit um Papst-Boykott

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    Es spricht einiges dafür, dass der Papst bei seiner Rede im Bundestag am 22. September nicht vor einem vollen Haus sprechen wird.
    Es spricht einiges dafür, dass der Papst bei seiner Rede im Bundestag am 22. September nicht vor einem vollen Haus sprechen wird. Foto: Foto: dpa

    Berlin Mehrere deutsche Bischöfe haben den von zahlreichen Oppositionsabgeordneten geplanten Boykott der Papstrede am 22. September im Bundestag als ungehörig und blamabel kritisiert. „Das ist so kleinkariert und das ist so engstirnig, dass man nur darüber lachen oder weinen kann“, sagte der Kölner Erzbischof Joachim Meisner am Mittwoch.

    „Es gehört sich, einen solchen Gast mit der notwendigen Freundlichkeit, mit Respekt und Noblesse aufzunehmen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, der Passauer Neuen Presse. „Der Bundestagspräsident hat Benedikt XVI. als Deutschen und als Staatsoberhaupt des Vatikans eingeladen. Ich bedaure es, dass Bundestagsabgeordnete wegbleiben und die Rede boykottieren wollen.“

    Gegner der Rede sehen religiöse Neutralität des Staates verletzt

    Ein Teil der Opposition – nach aktuellem Stand etwa 100 der 620 Abgeordneten – könnte die Rede des Papstes im Bundestag boykottieren. Die Zahlen sind allerdings Schätzungen. Die betreffenden Parlamentarier von SPD, Grünen und Linken halten den Auftritt des Pontifex mit der religiösen Neutralität des Staates für unvereinbar.

    Dagegen rief Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) seine Partei in der Debatte über die Papstrede im Bundestag zur Besonnenheit auf. Der frühere SPD-Bundesvorsitzende sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung, der Papst werde im Bundestag „zu aktuellen weltpolitischen Fragen reden und keinen Gottesdienst feiern“. Damit sei „in keiner Weise die religiöse und weltanschauliche Neutralität der Bundesrepublik infrage gestellt“. In der SPD-Bundestagsfraktion gibt es nach Medienberichten indessen Bestrebungen, Sitzplätze von Abgeordneten, die der Rede von Benedikt XVI. fernbleiben, durch ehemalige Parlamentarier zu besetzen. So solle der Eindruck eines offenen Protestes vermieden werden. Der Grünen-Politiker Volker Beck unterstrich, dass der Papst in erster Linie ein Religionsführer sei. Er wolle zwar der Rede im Parlament beiwohnen, sehe aber die Gefahr eines Präzedenzfalles. Er frage sich, wen man als Nächstes einladen werde.

    Mit Empörung reagierte Georg Schmid, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, auf die Boykottdrohung. Die „Missachtung des Papstbesuchs“ sei „respektlos und beschämend“. Es zeige sich, dass Toleranz für manche Abgeordnete „nur eine hohle Phrase“ sei. Bundestagspräsident Norbert Lammert gab sich hingegen gelassen. Dies gehöre zu einer freiheitlichen Gesellschaft, zu einem frei gewählten Parlament. „Ich habe keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass der Deutsche Bundestag bei der Rede des Papstes nicht nur gut gefüllt, sondern überfüllt sein wird“, sagte Lammert dem Internetportal katholisch.de. (dpa, kna)

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