Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und Bahnchef Rüdiger Grube sollen dem Baustopp am Stuttgarter Bahnhof während der Schlichtungsgespräche zugestimmt haben. Das jedenfalls verkündete der als Schlichter eingesetzte frühere CDU-Politiker Heiner Geißler. Beide sagen etwas anderes.
Bahnchef Rüdiger Grube hat den verkündeten Baustopp für das Bahnprojekt Stuttgart 21 wieder infrage gestellt: "Wir kennen keinen Baustopp", sagte Grube den "Stuttgarter Nachrichten". Er habe mit Heiner Geißler bislang nur ein einziges Mal telefoniert, sagte Grube. Dabei sei über Inhalte gar nicht gesprochen worden.
Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) will die Bauarbeiten nicht unterbrechen. "Es gibt keinen Baustopp", sagte Mappus am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur dpa und widersprach damit der Darstellung des Schlichters.
Heiner Geißler hatte Verhandlungen über das Bahnprojekt Stuttgart21 ohne Vorbedingungen angekündigt. Es dürften währenddessen keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden, sagte er am Donnerstagabend im Stuttgarter Hauptbahnhof.
Die Gespräche sollen Ende der kommenden Woche beginnen und vor Weihnachten beendet werden. "Diese Schlichtung soll zumindest dazu beitragen, dass die Fakten und die Argumente gegeneinander abgewogen werden."
Über die Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde wird seit Monaten heftig gestritten. Das Bauprojekt soll laut Bahn 4,1 Milliarden kosten. Kritiker rechnen mit erheblich höheren Kosten. Zuletzt hatte ein Großeinsatz der Polizei für hitzige Debatten gesorgt.
Die Gegner hätten sich offenbar oft nicht ernst genommen gefühlt, sagte Geißler und kündigte an: "Alles muss auf den Tisch kommen, alle Fakten, Zahlen und Einschätzungen müssen zur Sprache kommen und gegeneinander abgeglichen werden."