Einen Tag vor den Beratungen der NATO in Brüssel über den Abschuss eine türkischen Militärjets durch Syrien hat die Regierung in Damaskus das Militärbündnis vor einer "Aggression" gewarnt. Sollten die Beratungen das "Ziel einer Aggression verfolgen, sagen wir ihnen, dass das syrische Territorium, der Luftraum und die Gewässer der syrischen Armee heilig sind", sagte Außenamtssprecher Dschihad Makdessi am Montag. Wolle die NATO dagegen die Lage entschärfen, "wünschen wir ihnen viel Erfolg" für das Treffen.
Medienberichte "heizen" die Krise an
Makdessi bezichtigte die Türkei bei den Darstellungen des Vorfalls vom Freitag der "Lüge". "Die türkische Maschine hat den syrischen Luftraum verletzt und die syrische Luftabwehr hat geantwortet und (die Maschine) ist innerhalb der syrischen Hoheitsgewässer abgestürzt", sagte Makdessi. Es habe sich um eine "unverhohlene Verletzung der syrischen Souveränität" gehandelt. Anderslautende Medienberichte über den Vorfall seien Teil einer "politischen Kampagne" mit dem Ziel, "Syrien zu verteufeln und die Krise anzuheizen".
Das gefundene Wrack des Kampfjets zeige, dass dieser von einem Flugabwehrgeschütz abgefeuert worden sei, sagte Makdessi. Diese Kanone verfüge über kein Radar und habe eine Reichweite von zweieinhalb Kilometern. Das türkische Kampfflugzeug sei mit 800 Stundenkilometern geflogen und habe sich in einer Entfernung von zwei Kilometern der syrischen Küste genähert. Die Version des türkischen Außenministers Ahmet Davutoglu stehe im "Widerspruch zur Realität", sagte Makdessi. Zugleicht betonte er, Syrien wolle gute Beziehungen zur Türkei.
Davutoglu hatte erklärte, der Armeejet sei in internationalem Luftraum rund 13 Seemeilen vor Syriens Küste abgeschossen worden. Er räumte aber ein, dass der Jet kurzzeitig in den syrischen Luftraum geflogen sei. Rund 15 Minuten danach sei er abgeschossen worden und in syrische Gewässer gestürzt. Der unbewaffnete Jet sei aber nur auf einer Übungsmission unterwegs gewesen, hatte der Minister versichert. Aus Syrien sei vor dem Abschuss keine Warnung gekommen.
NATO-Beratungen am Dienstag
Am Dienstag berät die Türkei mit den NATO-Partnern in Brüssel über den Vorfall. Artikel 4 des NATO-Vertrags sieht ein Treffen des NATO-Rats vor, wenn ein Mitglied "die Unversehrtheit des Gebiets" bedroht sieht. afp