Diplomaten bleiben unversehrt. Extremisten starten Frühjahrsoffensive

Kabul Eine Serie von koordinierten Angriffen der radikalislamischen Taliban hat am Sonntag die afghanische Hauptstadt Kabul und den Osten des Landes erschüttert. In Kabul waren laut übereinstimmenden Angaben unter anderem die Botschaften Deutschlands und der USA im Diplomatenviertel sowie das Parlament betroffen. Die Taliban bekannten sich zu den Attacken, die sie als Beginn ihrer „Frühjahrsoffensive“ bezeichneten.
An den Angriffen seien „viele Selbstmordattentäter“ beteiligt gewesen, teilten die Taliban mit. Die Islamisten wollten damit beweisen, dass sie kampffähig seien. Die Aufständischen ziehen sich im kalten afghanischen Winter regelmäßig zurück und intensivieren ihre Angriffe auf die Regierung und die Nato-Truppe Isaf im Frühling wieder.
Von den Angriffen im Diplomatenviertel war auch die deutsche Botschaft betroffen, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin sagte. Über die diplomatische Vertretung knatterten Maschinengewehr-Salven. Die Aufständischen setzten auch Panzerfäuste ein. Es gebe „kleinere Sachbeschädigungen“ auf deren Gelände, jedoch keine Verletzten, sagte die Sprecherin. Die Diplomaten mussten Schutz im Bunker suchen. Dennoch bekräftigte Außenminister Westerwelle (FDP) die Abzugspläne für die Bundeswehr. 2014 soll der internationale Kampfeinsatz enden. Man müsse sich zwar „auf weitere Rückschläge einstellen“. Dennoch sei es richtig, den Prozess der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen fortzusetzen, sagte er.
Auch in der Nähe der US-Botschaft waren schwere Explosionen und Schüsse zu hören. Die US-Vertretung teilte ebenso wie die britische Botschaft später mit, alle Mitarbeiter seien unverletzt in Sicherheit gebracht worden.
Mehrere Kämpfer versuchten nach Behördenangaben, das Parlament in Kabul zu stürmen, wurden aber von Sicherheitskräften überwältigt. Ein Abgeordneter sagte, einige Parlamentarier hätten zur Verteidigung selbst zurückgeschossen. Nach Polizeiangaben wurde ein Angreifer getötet.
Vor der Angriffsserie vom Sonntag teilten die afghanischen Behörden mit, binnen eines Tages seien etwa hundert Taliban getötet, verletzt oder festgenommen worden.
Teil der Taliban-Frühjahrsoffensive war möglicherweise auch die Befreiung von 400 Häftlingen aus einem Gefängnis im Nordwesten Pakistans. Mehr als 150 schwer bewaffnete Aufständische stürmten am Sonntag eine Haftanstalt in der Stadt Bannu an der Grenze zu den unruhigen pakistanischen Stammesgebieten, wie ein ranghoher Sicherheitsvertreter sagte. Die den Wachleuten zahlenmäßig weit überlegenen Angreifer hätten in der Nacht zwei Stunden lang mit automatischen Waffen, Granaten und Raketen geschossen. Unter den Befreiten soll auch ein früherer Luftwaffenoffizier gewesen sein, der wegen eines Anschlags auf Ex-Präsident Musharraf zum Tode verurteilt worden war. (afp, dpa)
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