Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Menschenrechte: Ukraine gibt deutschen Ärzten freie Hand

Menschenrechte

Ukraine gibt deutschen Ärzten freie Hand

  • |
  • |
  • |
    Will ihren Hungerstreik abbrechen: Ex-Regierungschefin der Ukraine, Julia Timoschenko. Foto: UKRPRAVDA/Archiv dpa
    Will ihren Hungerstreik abbrechen: Ex-Regierungschefin der Ukraine, Julia Timoschenko. Foto: UKRPRAVDA/Archiv dpa

    Nach Wochen intensiver Verhandlungen hinter den Kulissen ist am Dienstag Bewegung in die verfahrene Situation um die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko gekommen. Nachdem die Regierung Erleichterungen für die Inhaftierte angekündigt hatte, teilte die Tochter der Oppositionsführerin gestern in Charkow mit, dass ihre Mutter ab dem heutigen Mittwoch ihren Hungerstreik beenden werde.

    Julia Timsochenko wird rund um die Uhr von deutschen Ärzten behandelt

    Der ukrainische Ministerpräsident Nikolaj Asarow hatte im Streit um seine inhaftierte Amtsvorgängerin Zugeständnisse angeboten. Die 51-Jährige könne ab sofort rund um die Uhr von deutschen Ärzten betreut werden, sagte Asarow in einem Interview mit Focus Online. Timoschenko verweigere jede Behandlung durch die von der Regierung gestellten ukrainischen Ärzte. Auf die Frage, wie die Behörden ausschließen wollen, dass Timoschenko ohne medizinische Behandlung im Hungerstreik schwerwiegende Gesundheitsschäden davontrage oder gar sterbe, antwortete Asarow: „Wenn die Deutschen bereit sind, sie unter ärztliche Beobachtung zu stellen, hat niemand etwas dagegen. Gerne!“

    Eine Behandlung durch Ärzte aus Deutschland sei in jedem ukrainischen Krankenhaus ihrer Wahl möglich, versicherte Asarow. Er bot der Bundesregierung auch an, die Vorwürfe der Misshandlung Timoschenkos im Gefängnis von einer gemeinsamen Kommission prüfen zu lassen. Timoschenko klagt seit Monaten über einen Bandscheibenvorfall. Ukrainische Ärzte hatten nach einer Untersuchung in ihrer Gefängniszelle am Montag den Gesundheitszustand der Politikerin als „befriedigend“ bezeichnet. Dagegen sagten Anwälte, ihre Mandantin sei geschwächt.

    Zehn Fakten zur Ukraine

    Die Ukraine wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 unabhängig. Die Hauptstadt ist Kiew. Die Ukraine ist mit 603.700 Quadratkilometern der größte Flächenstaat in Europa. Zum Vergleich: Die Bundesrepublik misst 357.121Quadratkilometer.

    Die Ukraine war zusammen mit Polen der Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft 2012. Spielstätten in der Ukraine waren: Die Hauptstadt Kiew, Donezk im Südosten, Lemberg (Lwiw) in der Westukraine und Charkow im Nordosten des Landes.

    Staatsoberhaupt der Ukraine ist seit 2010 Präsident Wiktor Janukowytsch. Sein Vorgänger im Amt war Wiktor Juschtschenko, der 2004 als ein Held der Orangenen Revolution international bekannt wurde.

    Julia Timoschenko: Julia Timoschenko war von Januar bis September 2005 und von Dezember 2007 bis März 2010 Ministerpräsidentin der Ukraine unter Präsident Wiktor Juschtschenko. Seit August 2011 befindet sich die 51-Jährige mit der charakteristischen Zopffrisur in Haft.

    Die Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist eine Autonome Republik innerhalb der Ukraine. Sie hat rund zwei Millionen Einwohner und ist 26.100 Quadratkilometer groß. Die größte Stadt der Krim ist Sewastopol.

    Die Stadt Odessa, im Südwesten des Landes an der Schwarzmeerküste gelegen, gilt als ein Zentrum der Liberalen und Intellektuellen. Odessa hat rund eine Million Einwohner.

    Die Ukraine ist innerhalb des Landes in vielfacher Hinsicht gespalten. Der Fluss Dnepr, an dem die Stadt Dnipropetrowsk liegt, gilt als die geographische Trennlinie des Landes. Westlich ist die Nähe zu Europa und der Europäischen Union deutlich stärker ausgeprägt als im Osten, der die Nähe zu Russland pflegt.

    Die Ukraine galt zu Stalins Zeiten wegen ihrer fruchtbaren Schwarzböden als die "Kornkammer" der Sowjetunion. Als Stalin die Landwirtschaft kollektivierte, brach in den 1920 Jahren eine Hungersnot aus, die bis heute einen bestimmenden Platz im nationalen Gedächtnis der Ukraine hat.

    Fußballerisch erzielten die Ukrainer ihren bisher größten Erfolg bei er EM 2006: Die ukrainische Mannschaft erreichte das Viertelfinale.

    Die Boxer Wladimir und Vitali Klitschko haben für die Ukraine den Weltmeistertitel im Schwergewicht geholt.

    Ebenfalls gestern hat die Ukraine einen geplanten Gipfel im Schwarzmeerort Jalta abgesagt. Wegen des Fernbleibens zahlreicher Staatsoberhäupter, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, sei das Treffen am 11./12. Mai auf der Halbinsel Krim auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Das teilte das Außenministerium in Kiew am Dienstag mit.

    Boykott der Fußball-EM nach wie vor ein Thema

    Mindestens zehn europäische Staatschefs hatten eine Absage übermittelt. Wegen des heftigen Streits um die Oppositionsführerin Timoschenko fordern viele Politiker auch einen Boykott der Fußball-Europameisterschaft im Juni in der Ukraine. Die EU-Kommission bleibt den Spielen in der Ex-Sowjetrepublik demonstrativ fern.

    Kritik an Boykottforderungen der EM-Spiele äußerte erneut das Außenministerium. „Eine solche Haltung ist destruktiv“, sagte ein Sprecher. Die Ukraine und Polen, die die EM vom 8. Juni bis 1. Juli gemeinsam veranstalten, würden „Fans aus über 100 Ländern zu diesem Feiertag des Sports“ erwarten, betonte er. AZ, kna, dpa

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden