Eine Frage hört Tierpsychologe Joachim Westermann immer wieder. In den meisten Fällen sind es Menschen mit hochrotem Kopf, die sie ihm stellen. Aber Homosexualität ist im Tierreich keine Seltenheit. Von Martina Bachmann
Oft kann Westermann, Sprecher des Verbandes der Tierpsychologen und Tierverhaltenstherapeuten aus Bochum, die Halter beruhigen. Struppi, Bello oder Beethoven sind im Regelfall nicht homosexuell. Dass männliche Hunde andere Rüden bespringen, ist ein Dominanzverhalten. Sie zeigen dem anderen so: Ich bin der Stärkere, und du bist mein Untertan. Doch hin und wieder will der Tierpsychologe durch seine Untersuchungen bestätigt sehen, dass Struppi tatsächlich eine Vorliebe für Geschlechtsgenossen hat: "Es gibt Tiere, die eine Partnerschaft mit dem gleichen Geschlecht eingehen und nur zur Arterhaltung Weibchen aufsuchen."
Ausstellung in Oslo
Westermann ist mit dieser These nicht alleine. Im norwegischen Oslo hatte vergangenes Jahr das Naturhistorische Museum homosexuellen Tieren eine viel beachtete Ausstellung gewidmet. Einige Forscher gehen davon aus, dass es weltweit rund 450 Tierarten gibt, die mitunter das eigene Geschlecht bevorzugen.
Bei Königspinguinen wurde beobachtet, dass bis zu zehn Prozent mit einem Geschlechtsgenossen das Leben verbringen. Unter den Delfinen sollen sogar drei Viertel aller männlichen Großen Tümmler homosexuell sein und sich nur zur Fortpflanzung für kurze Zeit mit einem Weibchen einlassen. Gorillas, Strauße, Dickhornschafe, Möwen, Schwäne, Schimpansen - bei all diesen Tieren wurden entsprechende sexuelle Vorlieben beobachtet. Auch Kater bevorzugten mitunter einen Kater, behauptet Westermann: "Wird ein männliches Tier sehr früh kastriert, dann kann es von Artgenossen als Weibchen angesehen werden."
"Vereinzelt Fehlprägungen"
"Mit so etwas bin ich in meiner Praxis noch nicht konfrontiert worden", sagt dagegen die Tierfachärztin für Verhaltenskunde, Angela Mittmann von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Vereinzelt gebe es "homosexuelle Fehlprägungen". Nur bei Zootieren komme dieses Verhalten öfter vor: "Der Sexualpartner der Wahl ist eben nicht da." Tiere paarten sich nicht nur zur Fortpflanzung, sagt Mittmann. Sobald es einen Reiz gebe, würden Hormone ausgeschüttet - und danach wolle das Tier eben Sex. Die Paarung an sich sei im Tierreich die natürlichste Sache der Welt.
Geht es nach Tierpsychologe Westermann, dann spielt die Geschlechterverteilung dabei keine Rolle. Er beruhigt besorgte Hundebesitzer. Selbst wenn Struppi homosexuell ist - bei den anderen Hunden sei er deshalb nicht unten durch. Westermann: "Die Tiere sind tolerant. Mit ist nicht bekannt, dass ein homosexueller Artgenosse aus dem Rudel verstoßen wurde. Tiere sind uns in dieser Hinsicht voraus."
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