Der Augsburger Franz Dobler ist Schriftsteller, Discjockey und Fan von Country-Musik: "Als ich von den Anschlägen in New York erfahren habe, saß ich gerade zu Hause an meinem Computer. Ich habe damals an einem Buch über Johnny Cash gearbeitet. Nachdem das erste Flugzeug in die Türme eingeschlagen war, dachte ich zuerst an einen bizarren Extremunfall. Beim zweiten Flugzeug war dann klar, dass es sich um einen Anschlag handelt. Danach saß ich den ganzen Tag völlig paralysiert vor Fernseher und Computer. Ich dachte die ganze Zeit: Was passiert da jetzt? Was bedeutet das? Man wusste ja noch nicht, welche politische Tragweite das Ereignis haben wird.
Mir ging das Ganze sehr nahe, denn ich bin ein Amerika-Fan, der sich viel mit amerikanischer Kultur beschäftigt.
Am nächsten Tag war ich dann bei einer Veranstaltung in München, wo ich mich als Linker mit anderen Linken gestritten habe. Bei manchen von ihnen herrschte damals so etwas wie Verständnis für diese Form der politischen Aktivität. Es gab sicher keine Schadenfreude wegen der Toten, aber eine Form des Aufrechnens von Opfern, die bis zum Vietnamkrieg zurückreichte. Ich war anderer Meinung und hielt das für eine völlig falsche Einschätzung. Ich selbst habe damals sogar einen Cowboyhut aufgesetzt, eine hilflose, aber proamerikanische Geste." (mick)