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A8 bei Zusmarshausen: "A VIII" - Forscher finden Römer-Autobahn

A8 bei Zusmarshausen

"A VIII" - Forscher finden Römer-Autobahn

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    Überreste einer elf Meter breiten Römerstraße werden bei Zusmarshausen ausgegraben. Für Forscher besonders interessant ist die Altersbestimmung des Holzes, wie sie im Thierhaupter Bauarchiv erfolgen kann.
    Überreste einer elf Meter breiten Römerstraße werden bei Zusmarshausen ausgegraben. Für Forscher besonders interessant ist die Altersbestimmung des Holzes, wie sie im Thierhaupter Bauarchiv erfolgen kann. Foto: Marcus Merk

    Vor fast 2000 Jahren führte schon eine Art Autobahn an Zusmarshausen vorbei, eine Römerstraße. Auf der elf Meter breiten Trasse fanden Archäologen nun etwas Einzigartiges. Nichts sei mit der Straßenkonstruktion zwischen Zusmarshausen und Friedensdorf vergleichbar, sagte Roland Gläser. Im Boden verbirgt sich ein Flechtwerk, das es so in Bayern und vermutlich auch in Deutschland kein zweites Mal gibt.

    Archäologische Überraschung für den Bauausschuss

    Mit dieser Nachricht überraschte der Archäologe die Mitglieder des Zusmarshauser Bauausschusses. Ein Fachmann vom Landesamt für Denkmalpflege hat das Eichenholz in dem Flechtwerk bereits analysiert: Der letzte Baumring stammt aus dem Jahr 80 nach Christus. Der Baum wurde demnach um das Jahr 96 nach Christus gefällt, plus minus sieben Jahre“, sagte Gläser bei einem Ortstermin an der Stelle, wo die nördliche Ortsumfahrung der Marktgemeinde vorbeiführen soll.

    Stattdessen geht es bei der Exkursion in die Felder bei Friedensdorf nun um die Truppen, die der römische Kaiser Vespasian (69 bis 79 nach Christus) bei Zusmarshausen zusammenziehen ließ. „Nun haben wir einen dendrochronologischen Beweis für dieses Ereignis“, sagte Gläser begeistert. „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass es so etwas gibt und es so gut erhalten ist.“ Unter Vespasian und seinen Söhnen Titus und Domitian bauten die Römer ihre Herrschaft in Rätien und Germanien aus.

    Statt Bomben eine Römerstraße gefunden

    Dazu gehörte auch die Schaffung einer kürzeren Verbindung zwischen den Provinzhauptstädten Augsburg und Mainz, eine kürzere Grenzlinie zwischen Rhein und Donau. Die Römerstraße, über die die Legionäre bei Zusmarshausen Richtung Günzburg zogen, ist vermutlich noch ein wenig älter als das Eichenholz, dessen Alter bestimmt wurde. Hinter dieser Messung verbirgt sich der Begriff „Dendrochronologie“. Die Römerstraße selbst war bereits während der Flurbereinigung in den 1970er-Jahren entdeckt worden, dazu eine römische Darre. In diesem beheizbaren Gebäude wurden Getreide, Obst oder Fisch getrocknet. Otto Schneider, Leiter des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte dokumentierte damals die Grabungsarbeiten und deckte die Darre dann mit einer Folie wieder zu. Durch Zufall waren die Archäologen auf das Flechtwerk gestoßen. Im Vorfeld der Bauarbeiten für die Ortsumfahrung rückte der Kampfmittelräumdienst an. Denn in der Nähe war das Waldwerk Kuno II, wo im Dritten Reich Düsenjäger montiert wurden. Es wurde von amerikanischen Tieffliegern angegriffen. Deswegen wurde der Boden nach Bomben abgesucht. „Zwei Mal schlug das Gerät an, bei der Darre und bei einem Brunnen.“

    Die Darre war Gläser bekannt, der Brunnen nicht. Darin fanden die Wissenschaftler Keramik, Glas und Leder aus der Römerzeit, scheinbar hatte man damit den Brunnen zugeschüttet. Knapp zwei Meter grub Gläsers Team in die Tiefe, mehr wäre nicht sicher. Auch die Darre lieferte einen Untersuchungsansatz: Was ist mit den Ziegeln 30 Jahre unter der Folie passiert? Sie wurden porös. Denn das Grundwasser drückte von unten in die Darre, kondensierte, fror an der Folie fest und sprengte die Ziegel. Sie werden nun von den Archäologen abgetragen, dann wird die Darre wieder zugeschüttet.

    Römerstraße führt über torfiges Gebiet

    Besonders spannend aber ist die Straße. Sie führte über torfiges Gebiet. Vier, fünf Meter lange Erlenstangen wurden daraufgelegt und von beiden Seiten mit einem fünf Meter breiten Flechtwerkzaun eingerahmt. Querlatten und Gras deckten das Holzkonstrukt ab, es folgte Kies mit Lehm. „Wir haben zufällig da reingelangt, wo es spannend wird“, meinte Gläser, zehn Meter weiter ist kein Flechtwerk.

    Die Archäologen graben bislang nur innerhalb des Baufensters für die Ortsumfahrung. „Das Landesamt für Denkmalpflege muss jetzt klären, ob wir weiter graben oder nicht“, so Gläser. Bis dahin wird das Holz vermessen, dokumentiert, beschrieben und gezeichnet. Weitere Grabungsarbeiten könnten noch mal vier Wochen dauern. Doch wer weiß, was man noch alles findet? Bereits aufgetaucht ist eine Münze aus dem Jahr 225 nach Christus. Diese könnte die Nutzung der Straße vom ersten bis dritten Jahrhundert beweisen. Doch vielleicht sei das Material, in dem die Münze lag, erst während der Flurbereinigung verschoben worden.

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