Scherstetten Das alte Lagerhaus in Scherstetten könnte ein neues Ausflugsziel in den Stauden werden. Wird es zum Kräuterstadl umgebaut, so könnte das Gebäude als Ausstellungsraum, Veranstalungsort für Schulungen, Seminare und Kochkurse, Café, Heimat für den Verein Kräuterregion Stauden und für vieles mehr genutzt werden.
Im Ortskern von Scherstetten steht seit 177 Jahren dieses Lagerhaus, neben dem Pfarrhof und der Kirche. Es war einst Viehhaus und Zehentscheune. Nun soll es abgerissen oder neu genutzt werden. Beides kostet Geld. Der Kräuterverein Stauden initiierte deshalb die Reaktivierung des Gebäudes, das als „Kräuterstadl“ neu aufleben könnte. Denn bislang fehlte dem Verein ein Gebäude. Scherstettens Bürgermeister Robert Wippel hatte die Idee, das alte Lagerhaus umzugestalten. Und er bat die Studenten des Lehrstuhls für Humangeografie und Geoinformatik, sich Gedanken zu dem Projekt zu machen.
Dr. Markus Hilpert, Privatdozent an der Universität Augsburg, und sein Team waren sofort begeistert und wurden tätig. In nur drei Monaten entwickelten die 18 Studenten ein Konzept, das sie nun der Gemeinde Scherstetten, dem Kräuterverein, ReAL West, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Nördlingen sowie dem Vertreter des Amtes für ländliche Entwicklung Schwaben in Form einer Computer-Animation vorstellten. Die Bausubtanz sei in einem ordentlichen Zustand, so Dr. Hilpert, es gäbe relativ wenig Schadstellen am Mauerwerk, Schäden wiesen aber der Putz, Fenster, Türen und der Dachstuhl auf. Auch Spenglerarbeiten seien nötig. Im Erdgeschoss sei eine neue Bodenplatte fällig, neue Fenster und Türen sowie die Installation von Elektroanlagen. Auch im Obergeschoss ist ein neuer Boden mit Dielen notwendig. Das rund 100 Quadratmeter große Erdgeschoss könnte als Kräuter-Café und Kräuterladen genutzt werden. Eine Küche ist ebenfalls eingeplant, auch an Abstellräume ist gedacht. Das Obergeschoss solle vorrangig ein Schulungs- und Seminarraum sein, der bis zu 50 Personen Platz bietet. Auch könnte das Obergeschoss als Ausstellungsfläche und Galerie genutzt werden. Im Außenbereich ist eine 28 Quadratmeter große Terrasse mit rollstuhlgerechter Rampe denkbar, ein Handwaschbecken für Ausflügler, Hochbeete mit Kräutern und gekieste Wege rund um das Gebäude.
„Der Kräuterstadl kann ein Schmuckstück für die Gemeinde mitten im Ort werden“, sagte Hermine Gattinger, Vorsitzende der Kräuterregion Stauden. „Es ist einmalig in den Stauden.“ Das Projekt samt Fördergeldern steht und fällt mit der Nutzung des Gebäudes: Wichtige Kriterien seien, so Dr. Max Stumböck vom Verein ReAL West, der innovative Ansatz, der Gesundheitsaspekt, der kommunale Übergriff, die Verbesserung und Belebung der Dorfgemeinschaft sowie das Nutzungskonzept und eine solide Finanzierung. Diese Kriterien würden erfüllt. „Die Dorfgemeinschaft wird durch den Kräuterstadl aufgewertet“, ist sich Dr. Stumböck sicher. „Die Förderung über die Dorferneuerung kann parallel zu anderen Förderprogrammen laufen“, so Ludger Klinge vom Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben.
Der Gemeinderat und die Vorsitzende des Kräutervereins sprachen sich für eine ganzjährige Nutzung des Stadls aus. Lehrgänge, Seminare, Schulungen, Kochkurse und Ausstellungen können abgehalten werden. Diese Nutzung würde allerdings den Einbau sanitärer Anlagen erforderlich machen – der in der Kostenkalkulation und der Raumaufteilung bisher nicht berücksichtigt wurde. Die Präsentation der Uni Augsburg ist als erster Anstoß für ein hochinteressantes Projekt zu sehen, das rasch angegangen werden muss, denn die Anträge für Fördergelder müssen bis 2013 gestellt werden. Doch noch ist nicht über die Zukunft des alten Lagerhauses entschieden. "Kommentar