Was seitens des Gemeinderates vor einigen Wochen noch als kleine Veranstaltung für interessierte Anwohner im Sitzungssaal des Rathauses gedacht war, endete am Dienstagabend in der Langenneufnacher Turnhalle mit 300 Besuchern, Polizeipräsenz und Vertretern der rechten Szene: der Informationsabend zum geplanten Asylbewerberheim an der Hauptstraße in Langenneufnach.
Rechte Flugblätter gegen das Asylbewerberheim
Bereits vor Beginn der Veranstaltung verteilten junge Männer der Gruppierung Nationale Sozialisten Deutschland Flugblätter gegen das Asylbewerberheim an die Gäste. Die Polizei reagierte prompt und erteilte den Männer einen Platzverweis für den Abend. „Da fahren wir eine konsequente Linie“, so Manfred Witty von der Polizeiinspektion Schwabmünchen.
Witty und Einsatzleiter Rudolf Karl sorgten draußen in Uniform für Präsenz, drinnen in der Halle verfolgten Polizeibeamte in zivil das Geschehen, denn einige Vertreter der rechten Szene hatten sich unter das Publikum gemischt. Darunter auch Roland Wuttke, der bayerische Landessprecher der NPD aus Mering, der sich in der Fragerunde zu Wort meldete und sich nur mit Nachnamen und als Meringer Bürger vorstellte. Er hatte freilich keine Fragen, sondern machte mit geschickt verpacken rechten Parolen Stimmung gegen das Asylbewerberheim. Lediglich ein Mann funkte dem bekannten NPD-Funktionär dazwischen und schrie: „Den Müll höre ich mir nicht länger an.“
NPD-Funktionär meldet sich zu Wort
Wuttke behauptete etwa, dass die Flüchtlinge in Mering ganz und gar nicht willkommen seien und ein „Klima des Hasses“ verbreiteten. Ohne zu wissen, wer da eigentlich vor ihnen stand, applaudierten die meisten Langenneufnacher begeistert und reagierten entsprechend empört, als Bürgermeister Josef Böck ihm schließlich das Wort verbot und das Mikrofon wegnahm.
Die Stimmung beruhigte sich recht schnell wieder und die Bürger stellten weiter ihre Fragen, allen voran Markus Wuschek, der sich öffentlich gegen das Asylbewerberheim bekennt. Gitta Schmid-Göller von der Regierung von Schwaben ist seit 2004 Sachgebietsleiterin für Flüchtlingsbetreuung und hatte auf fast alle Fragen eine Antwort parat, doch damit wollten sich die Langeneufnacher nicht zufrieden geben.
Keine Angst genommen
„Sie waren nicht in der Lage, den Bürgern heute Abend irgendeine Angst zu nehmen“, sagte eine Anwohnerin, deren Haus sich direkt neben dem geplanten Asylbewerberheim befindet, gegen Ende der Veranstaltung. Vor allem, so kristallisierte sich heraus, haben die Bürger Angst vor steigender Kriminalität. Sie befürchten, dass nicht etwa Familien, sondern hauptsächlich junge Männer einziehen könnten.
Besonders betonten die Redner ihre Enttäuschung über die Informationspolitik des Gemeinderates. So hätten sich die Nachbarn gewünscht, bereits vor dem Beschluss des Gemeinderates über die Nutzungsänderung von einem Mietshaus in eine Asylbewerberunterkunft informiert zu werden. Viele haben erst aus unserer Zeitung von den Plänen erfahren. Bürgermeister Josef Böck verteidigte den Beschluss des Gemeinderates zur Nutzungsänderung und versprach den Bürgern, dass der Gemeinderat künftig nach Lösungen und einem Konzept suchen werde, wie man im Dorf am besten mit den Asylbewerbern zurecht kommt.