Die Schneisen sind geschlagen, breite Streifen links und rechts der Autobahn abgeholzt. Sie signalisieren seit Monaten: Es wird ernst mit dem Ausbau der A 8 zwischen Gersthofen, Zusmarshausen und Burgau. Von Martin Deibl

Landkreis Augsburg. Die Schneisen sind geschlagen, breite Streifen links und rechts der Autobahn abgeholzt. Sie signalisieren seit Monaten: Es wird ernst mit dem Ausbau der A 8 zwischen Gersthofen, Zusmarshausen und Burgau. Der Startschuss wird wohl im Frühjahr 2011 fallen: "nachdem der Schnee weg ist", sagt Paul Lichtenwald, Chef der Autobahndirektion Südbayern.
Er ist mit dem Auto von München nach Adelsried gefahren und hat auf dem Weg zur Pressekonferenz mit dem Bundestagsabgeordneten Eduard Oswald (CSU) zufrieden gesehen, dass der Ausbau östlich des Lechs wie am Schnürchen klappt. Bis zum Jahresende wird dort die A 8 sechsspurig sein, plus zwei Standstreifen. Gebaut wird nach dem sogenannten PPP-Modell. Das steht für Public Private Partnership und bedeutet nichts anderes, als dass ein Konsortium aus privaten Firmen und Banken die Autobahn baut, finanziert und betreibt. Dazu erhält Autobahnplus neben einer Anschubfinanzierung (bei dem künftigen Partner ist diese auf 75 Millionen netto begrenzt) auch die Lkw-Maut für 30 Jahre. Genauso lange ist man auch für den reibungslosen Unterhalt zuständig.
Grundstücke gekauft
Das Pilotmodell habe bestens geklappt, sagt Lichtenwald. Man sei damals nicht nur an erster Stelle gewesen, sondern werde jetzt auch als Erster fertig. Und nach diesem Modell soll es nun gen Westen weitergehen. Von den ursprünglich sechs Anbietern sind noch zwei im Rennen. Wer das beste Angebot macht und den Zuschlag erhält, wird sich wohl diesen Herbst entscheiden.
Vor elf Jahren hat Oswald mit Aufkleber "A 8-Ausbau JETZT" verteilt - jetzt kann es losgehen. Die Grundstücke sind gekauft, die Problemstellen (wie etwa die Park- und WC-Anlage bei Streitheim durch eine Verlagerung) gelöst. Vor allem seit der Abholzung (Lichtenwald: "Dieser erste Schritt ist immer spektakulär") entlang der A 8 wird Oswald, immerhin sieben Jahre Vorsitzender des Verkehrsausschusses im deutschen Bundestag, mit Fragen bombardiert. Lichtenwald kann sie beantworten. Das Konsortium habe eine Reihe von Vorgaben, damit der Verkehr auch während des Baus halbwegs läuft und sich der Verkehrsstrom nicht über die Dörfer ergießt.
So darf nur zwischen 20 und 6 Uhr lediglich eine Fahrspur zur Verfügung stehen; stundenweise Sperrungen sind nur für Brückenabbrucharbeiten möglich; Anschlussstellen dürfen nur zwischen Freitag 20 und Montag 5 Uhr gesperrt werden; die Sperrung zweier aufeinanderfolgender Anschlussstellen ist nicht zulässig; zwischen den einzelnen Bauabschnitten müsse es immer eine fünf Kilometer lange Beruhigungsstrecke geben. Es sei schon im ureigensten Interesse des Konsortiums, dass die Lastwagen die Autobahn benutzen, kassiert es doch dafür die Lkw-Maut.
"Die Lebensader nicht nur für die Region, sondern für die Entwicklung unseres gesamten Raumes" (Oswald) ist eine Vorkriegsautobahn, ohne Lärmschutz, ohne Seitenstreifen. "Aber die wichtigste Ost-West-Verbindung, zusammen mit der A 9 die wichtigste Autobahn in Bayern", betont Lichtenwald. Kräftige Steigungen lähmen den Verkehr. "Alles über vier Prozent ist leistungsmindernd." Das wird sich durch den Ausbau ändern, wenn Kuppen abgeflacht und Senken aufgefüllt werden.
Bekommt die A 8 links und rechts je eine neue Fahrspur plus Standstreifen dazu? Nein, erläutert der Chef der Autobahndirektion: Anhand der Rodung könne man schon genau sehen, auf welcher Seite eine komplett neue Fahrbahn gebaut werde. Ist sie fertig, wird dorthin der Verkehr verlagert und die "alte" neu gebaut. Zwischen Gersthofen und Zusmarshausen wird die neue Fahrbahn auf der Nordseite, von Zusmarshausen bis Burgau auf der Südseite entstehen.
Was ist mit dem Lärmschutz? "Die Grenzewerte werden voll eingehalten", versichert Lichtenwald. Wohl wissend, "dass dieser aus Sicht der Betroffenen nicht immer der optimale sein wird". So wird der Gersthofer Ortsteil Hirblingen eine sieben bis zehn Meter hohe Kombination aus Wall und Wand bekommen, bei Adelsried sind es sechs Meter, bei Zusmarshausen fünf bis neun Meter - immer von Höhe der Fahrbahn aus gerechnet.
Ein sehr sportlicher Zeitplan
Und wann wird die A 8 fertig ausgebaut sein? Ende des Jahres 2014. "Sehr sportlich", sagt Paul Lichtenwald, dreieinhalb Jahre sei eine sehr kurze Bauzeit. Hätte der Staat gebaut, wären acht Jahre normal, "weil das bei uns nicht so schnell finanziert werden kann". Eduard Oswald pflichtet bei: "Ein sehr ehrgeiziger Zeitplan." Seine Aufkleber "A 8-Ausbau JETZT" haben jetzt eine ganz andere Aktualität erhalten.
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