Stauden/Landkreis Am ersten Sonntag der Fastenzeit werden die Funken- oder Scheibenfeuer entzündet. Lange Zeit war Langenneufnach die einzige Gemeinde im Landkreis, in der sich dieser alte Brauch des Winteraustreibens bis in die heutige Zeit hinüber gerettet hatte. In den vergangenen Jahren jedoch ist in mehreren Gegenden eine allmähliche „Wiederbelebung“ der Feuer zu beobachten. Neben den Funkenfeuern und den Maifeuern hat sich im Landkreis Augsburg noch das sogenannte „Jaudas-Verbrennen“ am Karsamstag in Thierhaupten erhalten.
Im Atlas der deutschen Volkskunde, der sich auf Brauchtumsumfragen aus den Jahren 1927/28 bezieht, werden im Augsburger Land vor allem Fastenfeuer, (nichtliturgische) Osterfeuer, Johannisfeuer, Mai- und Martinsfeuer erwähnt. Mit am weitesten verbreitet war das Sonnwendfeuer, das durch die nationalsozialistische Ideologie eine besondere Förderung erfahren hat und von der „Germanentümelei“ des Dritten Reiches ausgeschlachtet wurde.
Das Funken- oder Scheibenfeuer wird am Abend des ersten Fastensonntags entzündet. Das Brennmaterial wird um eine hochaufragende Stange geschichtet, an der eine ausgestopfte Strohpuppe („Hexe“) befestigt ist. Sie symbolisiert den Winter, dessen Zeit jetzt abgelaufen ist. Er muss unweigerlich dem nahenden Frühjahr weichen.
Auch das Scheibenschlagen hat lange Tradition
Wenn das Feuer seine größte Ausdehnung erreicht hat und auch die Hexe lichterloh brennt, dann folgt als weiterer Höhepunkt das sogenannte „Scheibenschlagen“: In der Mitte durchbohrte Baumstammscheiben werden so lange ins Feuer gehalten, bis sie glühen. Ähnlich dem Hammerwerfen in der Leicht-atlethik lassen die Burschen die funkensprühenden, an Drähten befestigten Holzscheiben über ihren Köpfen kreisen.
In anderen Gegenden werden die glühenden Holzscheiben unter lautem Hallo den Hang hinab in die Dunkelheit geschlagen, begleitet von allerlei Versen und Wünschen: „Scheib aus, Scheib ei’, Scheib über da Roi’! Dia Scheib soll mei’m Schätzle in d’ Bettstatt nei sei!“
Das Einsammeln des Brennmaterials hatte früher fast rituellen Charakter: Die Burschen hatten ein Recht darauf, ein Holzscheit zu erhalten, das Feuer galt als Gemeinschaftswerk der Dorfjugend. Beim Holzsammeln riefen die Buben: „Heiliger Sankt Veit, i bitt’ um a Scheit, i bitt’ um an Boscha, unserm liaba Herrgott a Fuir aufg’loscha!“ Die so gesammelten Holzscheite wurden dann kunstvoll aufgeschichtet.
Als Schmach galt es, wenn sich der Funken nicht entzünden ließ. Ebenso ärgerlich war es, wenn das mühevoll zusammengetragene Material von rivalisierenden Burschen aus dem Nachbarort zu früh angezündet wurde.
Funkenwachen sollten dieses Missgeschick verhindern. Denkbar ist, dass die Funkenfeuer einst Signalwirkung hatten. In den Pestjahren sollte von den vereinzelten Gehöften signalisiert werden, dass die Krankheit überstanden und die Gefahr auf dem Hof gebannt sei. Im alpinen Bereich könnte das Feuer kundgetan haben, dass der Winter, der früher ganz anders erlebt wurde als heute, gut überstanden wurde – ein in der Abgeschiedenheit der Bergregionen mitunter lebenswichtiges Signal.