Selbstständiges Arbeiten. Verantwortung. Entwicklungsmöglichkeiten: Auf diese oder ähnliche Schlagworte greifen Firmen auf der Suche nach Auszubildenden zurück. Schließlich geistert der Begriff „Fachkräftemangel“ nicht nur durch die Medien – er ist bereits deutlich zu spüren.
Speziell im Handwerk, das weiß Manfred Kerker vom gleichnamigen Schwabmünchner Betrieb. Deshalb hat er sich gemeinsam mit Ausbildungsleiter Wolfgang Schmid etwas einfallen lassen: Seit einigen Wochen darf Burak Kavak, Auszubildender zum Anlagenmechaniker in der Fachrichtung Heizung und Sanität, mit einem roten Mini Countryman durch die Region fahren, als „Azubi im Einsatz“.
Was nach einer guten Schlagzeile klingt, ist mehr als eine Marketingaktion: Kavak sammelt so etwa drei bis vier Monate lang praktische Erfahrung. Er fährt selbstständig zum Kunden, tauscht Wasserfilter oder Heizkörperventile aus und wartet Spülkästen. Im Schnitt ist er täglich bei zwei Kunden im Einsatz. „Wir haben die Aufgabenbereiche begrenzt, weil wir der Meinung sind, dass der Auszubildende in den Bereichen souverän auftritt, in denen er sich auskennt“, sagt Kerker.
Das Prinzip seiner Idee funktioniert folgendermaßen: Kunden aus den Bereichen Heizung und Sanität können den „Azubi im Einsatz“ buchen. Der Stundensatz liegt mit 25 Euro inklusive Mehrwertsteuer laut Kerker rund 60 Prozent unter den Kosten, die bei einem Kundendiensttechniker anfallen würden.
„Zwar braucht der Azubi teilweise länger, trotzdem lohnt sich das Modell bei einfachen Arbeiten“, so der Firmenchef. Nach rund vier Wochen seien die Rückmeldungen der Kunden bereits sehr positiv. Und nicht nur sie sind begeistert. Kavaks Augen glänzen, wenn er davon erzählt, wie sein Arbeitsalltag als „Azubi im Einsatz“ aussieht. Morgens teilt ihn Kundendienstleiter Michael Bräuer ein. Danach hat er Zeit, sein Auto mit den notwendigen Utensilien auszustatten. Bevor Kavak startet, spricht Bräuer mit ihm durch, was heute auf ihn zukommen wird.
„Es soll kein Druck aufgebaut werden“, sagt Bräuer. Das spürt Kavak und fühlt sich deshalb auch nicht überfordert. „Die jüngeren Azubis fragen natürlich, wie es so ist. Es ist aber gar nicht so anstrengend, wie sie denken“, sagt Kavak. Insgesamt bildet die Firma Kerker momentan zwölf Nachwuchskräfte aus, sechs davon als Anlagenmechaniker.
Für Azubis im dritten Lehrjahr
Klar, dass die jüngeren Auszubildenden das Projekt beobachten. Schließlich sind sie die Nächsten, die in dem roten Flitzer zum Kunden fahren dürfen: Das Projekt ist für die Azubis im dritten Lehrjahr gedacht – „und zwar dauerhaft“, wie Kerker betont.
Damit alles so läuft, wie er sich das vorstellt, hat er seine Auszubildenden geschult. Kavak war vorab bereits drei Monate im Kundendienst tätig – nur eben nicht allein. Außerdem war ein externer Referent zu Gast in Schwabmünchen, der den Azubis Tipps in Sachen Persönlichkeitstraining gegeben hat.
All die Dinge, die in der Berufsschule zu kurz kommen, will Kerker selbst in die Hand nehmen – und so auch die Strahlkraft des eigenen Unternehmens stärken. In der Berufsschule scheint das schon gelungen zu sein: „Meine Mitschüler haben mir das erst nicht geglaubt“, sagt Kavak. Mittlerweile wissen sie es besser.