Bobingen/Wehringen An ihre eigene Kommunion kann sich Barbara Schenk aus Bobingen noch gut erinnern. „Sie fand damals in der Kirche St. Georg in Haunstetten statt, dort bin ich aufgewachsen“, erzählt sie. Ein altes Bild beweist, auch damals blühten die Forsythiensträucher mit ihren leuchtend gelben Blüten, gerade so wie heute, genau 50 Jahre später. Trotzdem wird der 29. April in diesem Jahr wieder ein ganz besonderer Tag für Barbara Schenk sein. Denn ihr Enkel Tobias Schaf-litzl aus Wehringen kommt genau 50 Jahre nach seiner Oma zur Kommunion. „Sogar die Kirche heißt wieder St. Georg, nur dass sie diesmal in Wehringen steht“, hat Barbara Schenk festgestellt.
Enkel Tobias freut sich über diesen Zufall: „Ich finde das gut“, sagt er und gibt ganz ehrlich zu: „Am meisten freue ich mich auf die Geschenke!“ Ein Radio für sein Zimmer und ein Fernglas wünscht er sich. „Zu unserer Zeit bekamen Mädchen damals Sammeltassen geschenkt“, erinnert sich seine Oma. Ein paar davon hat sie sogar noch im Keller stehen. „Die waren zu dieser Zeit etwas ganz Besonderes.“ Auch Pralinen hat sie bekommen, eine Leckerei, die es ebenfalls nicht jeden Tag gab.
Aber Tobias weiß auch ganz genau, was ihn bei seiner ersten heiligen Kommunion erwartet: „Da bekomme ich in der Kirche zum ersten Mal den Leib Christi“, hat er in der Kommunionvorbereitung gelernt. Bisher musste er immer in der Kirchenbank bleiben, wenn seine Mutter Birgit und Papa Norbert zur Kommunion nach vorne gingen. Ab jetzt darf er mit.
Für seinen Kommuniontag hat er extra einen neuen Anzug bekommen. „Erst habe ich mir überlegt, ob ich in Tracht gehe, aber ein Anzug ist doch schicker“, erzählt er.
Seine Oma bekam zu ihrer Kommunion ein weißes Kleid. „Weil ich die Älteste war, wurde es ganz neu gekauft“, weiß sie noch. Später trug ihre Schwester bei deren Kommunion dasselbe Kleid.
Noch müssen Anzug und die Kommunionkerze warten, bis es am Sonntagmorgen so weit ist. Die Kerze hat Tobias’ andere Oma aus Wehringen, Antonie Schaflitzl, gebastelt. Sie trägt Getreideähren, einen Kelch und den Kommunionspruch: „Gott schließt einen Bund mit uns.“ „Sogar mit echten Weizenkörnern“, ist Tobias ganz stolz.
Gar nicht zu vergleichen sind die heutigen Kerzen mit der Kommunionkerze von Barbara Schenk. Diese war lang und dünn, mit den damals typischen Wachsmustern. „Eine gekaufte Kerze war vor 50 Jahren etwas Besonderes“, sagt Barbara Schenk. Ihr gefällt die selbstgemachte Kerze ihres Enkels heute aber besser. Stolz wird sie sein, wenn er mit dieser nach vorne zum Altar schreitet, das erste Enkelkind, das zur Kommunion kommt.
Schon am Morgen wird sich die Familie in Wehringen treffen, wenn die Kommunionkinder bei schönem Wetter alle gemeinsam vom Pfarrheim aus mit Musik in die Kirche ziehen werden. Nach dem Gottesdienst geht es dann in die Wirtschaft, zum Essen. „Auch das war damals anders“, erinnert sich die Oma. „Man hat daheim gegessen, die Mutter hatte selbst gekocht.“ Eine benachbarte Bäckerin besaß damals schon eine Eismaschine, die eigentlich nur im Sommer in Betrieb genommen wurde. „Als Kommuniongeschenk brachte sie uns nach dem Essen eine große Schüssel Eis zum Nachtisch vorbei. Das war etwas ganz Besonderes“, weiß Barbara Schenk noch heute.
„Sonst war der Tagesablauf ähnlich: Kirche, Feiern mit der Familie und abends wieder zur Dankandacht gehen. Da hat sich bis heute nicht viel verändert“, stellt sie fest. Zum Feiern hat die Familie an diesem Tag einen weiteren Grund: Tobias hat an seinem Kommuniontag auch Geburtstag und wird neun Jahre alt. Na, das wird ein Fest!