Bobingen Was unterscheidet den Alltag türkischer Frauen von dem ihrer Mitbürgerinnen? Wie leben sie in Bobingen? Diese und andere Themen standen am Donnerstagabend im Mittelpunkt eines Begegnungsprojektes in der Mittleren Mühle. Veranstalter war der Deutsch-türkische Freundschaftsverein, der damit einen weiteren Beitrag zum bayernweiten Festival „Stadt.Geschichte.Zukunft“ beisteuerte.
Gemeinsam mit dem vormaligen Kulturamtsleiter Reinhold Lenski hatten fünf türkische Frauen das Konzept erarbeitet, das durch Exponate und Dokumentationstafeln ergänzt wurde. Und mit großem Interesse und vielen Zwischenfragen folgten etwa 60 Besucher den Berichten der türkischen Frauen. In fünf Gesprächskreisen wurden Bereiche wie häusliches Leben, Erziehung und Bildung, sprachliche Probleme, Feste und Gebräuche behandelt.
„Es ist wenig bekannt, dass es zuerst die Frauen waren, die nach Deutschland zum Arbeiten kamen“, sagte Hacer Asci als sie vom Leben ihrer Mutter erzählte, die ihre Familie in der Türkei zurückließ, um in der Gögginger Firma Kammgarn zu arbeiten. Dann lebten oft zwei Familien zusammen in einer großen Wohnung, wie sich Fatma Akca erinnerte. „Während früher die Kinder für ihre Eltern die Deutsche Sprache übersetzen mussten, sind es heute die Eltern, die bei einem Türkeibesuch ihren Kindern das Türkische übersetzen müssen“, beklagte Yasemin Kunac die Tatsache, dass immer weniger Migrantenkinder ihre Muttersprache sprechen können. In der mittlerweile dritten Generation sei Schule und Ausbildung wichtig geworden, so Leyla Diri. Übereinstimmend kam man zu dem Ergebnis, dass immer mehr soziale Regeln gelockert würden und mehr Bräuche verschwinden. Aber religiöse Feste und Hochzeiten sind noch immer ausgiebig gefeierte Ereignisse, wie Suna Asla berichtete. Beispielsweise werden am Vorabend der Hochzeit, dem Henna-Abend, die Handflächen der Braut mit Henna gefärbt. Dazu wird getanzt und gesungen. „Aber die Braut macht ihre Fäuste nicht auf, bis die Schwiegermutter ihr Gold in die Handflächen legt“, erklärt sie.
Mit türkischen Leckereien und angeregten Gesprächen klang der Abend aus. Die Veranstalter waren davon so angetan, dass Kulturamtsleiterin Elisabeth Morhard ankündigte, dass weitere derartige Begegnungen folgen sollen. (inge)