Landkreis Google Street View - George Orwell in Reinkultur, ein nützliches Werkzeug für die Urlaubsplanung oder der Weg in eine Gesellschaft ohne Privatsphäre? Die Diskussion tobt bereits. Die Fahrzeuge mit den Spezialkameras sind längst durch die Region gefahren, auch wenn diese Bilder noch nicht im Internet zu sehen sind.

Die Meinungen über den Straßenbilderdienst gehen auseinander. Auch darüber, ob das Widerspruchsrecht ausreichend ist, um zu erreichen, dass das eigene Haus oder die Wohnung unkenntlich gemacht wird. Wir haben uns umgehört.
Die Behörde Der Landkreis werde weder seine Amtsgebäude noch die Schulen pixeln, sagt Verwaltungsdirektor Michael Püschel. Es sei ein Stück Service, wenn die Leute sehen, wie das Landratsamt am Augsburger Prinzregentenplatz von außen aussieht. Oder wo und in welchem Umfeld die Schulen stehen. Zudem sei das auch hilfreich, wenn man den Umzug in einen anderen Ort plant.
Die Stadt Schwabmünchen hat für alle Schul- und Kindergartengebäude bereits Widerspruch eingelegt, ihre Fotos werden im Street-View-Dienst gepixelt. Die Stadt hat aber ein ganz anderes Problem: Das Google-Kamera-Auto rollte durch das Zentrum, als dort gerade gebaggert wurde. Schwabmünchen für immer als Riesenbaustelle im Netz? Bürgermeister Lorenz Müller hat die Nachfrage unserer Zeitung auf eine Idee gebracht. Er will bei Google einen "Nachdreh" beantragen. "Das wäre für unsere Stadt ein schöner Werbeeffekt."
Die Firma Von Werbeeffekten will Elke Fey von der Fey Lamellenring GmbH in Königsbrunn nichts wissen. Auch wenn es noch so verlockend klingt. "Wir sind dagegen", sagt Fey. Sie fürchtet, dass Einbrecher oder Diebe das Firmengelände und ihr Privathaus über die Google-Street-View-Bilder auskundschaften könnten. Auch Firmengeheimnisse könnten so leichter ausspioniert werden, sagt Fey.
Der Bürgermeister Bobingens Bürgermeister rät ebenfalls zur Vorsicht - auch als Privatmann. "Der Umgang mit Daten und Bildern im Internet erfolgt allzuoft sehr sorglos", sagt er. Müller fürchtet, Google könne die Street-View-Daten anderweitig nutzen - zum Beispiel, um Gewohnheitsprofile für Einzelne zu erstellen und diese zu vermarkten. "Warum gibt Google ein Wahnsinnsgeld für die Erfassung der Straßenzüge aus?", fragt er.
Der Landrat Martin Sailer ist unentschlossen. Google Street View habe einen gewissen Reiz, wenn man sich touristisch informieren wolle. Aber die Privatsphäre werde immer weiter aufgelöst, die Menschen immer gläserner. Ob er sein Haus auf Google Street View sehen möchte? Sailer: "Wir tendieren eher dazu, dass wir Widerspruch einlegen."
Die Bundeswehr Bei der Bundeswehr ist Sicherheit oberstes Gebot - auch auf dem Lechfeld. Die sieht man durch Google Street View nicht gefährdet, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit. Im Einzelfall sei aber zu prüfen, ob auf den Bildern etwas Sicherheitsrelevantes zu sehen ist.
Die Künstlerin Die Schwabmünchner Künstlerin Kersten Thieler-Küchle ist es gewohnt, ein Stück ihrer Persönlichkeit in ihren Werken öffentlich zu machen. Aber ihr Haus - nie! Google Street View ist für Thieler-Küchle ein "fürchterlicher Eingriff in die Privatsphäre". Sie will auf jeden Fall Widerspruch einlegen. (SZ) » Randbemerkung
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