Der Rutschenunfall in der Königstherme, bei dem mehrere Kinder verletzt worden sind, schlägt weiter hohe Wellen. Ein Mann behauptet, ein Bub sei bewusstlos im Wasser getrieben. Die Polizei ermittelt. Von Hermann Schmid

Der Unfall in einer Rutsche der Königstherme, bei dem am Montag sechs Kinder verletzt wurden (wir berichteten), beschäftigte gestern nicht nur die betroffenen Grundschüler aus Graben - die aber besonders intensiv.
"Die Kinder, die das miterlebt haben, sind aufgeregt und verwirrt", berichtet Schulleiterin Andrea Schöffel. Deshalb hat sie eine heute in einer vierten Klasse angesetzte Mathematik-Probe verschoben. "Die Kinder müssen viel darüber reden und wir geben ihnen Gelegenheit dazu", schildert sie. Für die Rektorin, die am Montag nicht mit in der Therme war, ergibt sich dabei aber noch kein klares Bild vom Ablauf des Unfalls.
Wie seit vielen Jahren hatten am Montag zwei 3. und zwei 4. Klassen der Grundschule Graben dort ihren "Wintersporttag" verbracht. Zuerst drehten sie in der Hydro-Tech Eisarena ihre Runden, dann ging es in das angrenzende Bad. Wie Andrea Schöffel von Lehrkräften erfuhr, erhielten die fünf Lehrer und 73 Grundschüler zum Auftakt eine ausführliche Einweisung, vor allem über das Verhalten in den Rutschen.
Plexiglas-Abdeckung war nicht entfernt worden
Die Leitung der Königstherme hat schon am Montag eingeräumt, dass eine Plexiglas-Abdeckung am Auslauf der Rutsche nicht wie üblich entfernt wurde. Die sorgt nachts dafür, dass niemand über die Rutsche ins Innere der Therme kommt.
Das erste Kind, das gegen 10.25 Uhr die Rutsche benutzte, prallte mit erheblichem Tempo gegen die Platte. Der Bub erlitt dabei eine Gehirnerschütterung und ihm wurde ein Schneidezahn ausgeschlagen.
Er kam mit vier weiteren Schülern, die nach ihm die Rutsche benutzten und sich ebenfalls verletzten, mit dem Sanka in die Bobinger Wertachklinik. Während diese Kinder am Nachmittag nach Hause durften, blieb der Bub zur Beobachtung im Krankenhaus. Er wurde gestern entlassen.
Im Online-Forum unserer Zeitung wird das Ereignis seit Montagabend, als wir erste Nachrichten online stellten, diskutiert. Dabei meldete sich ein Teilnehmer mit Nutzernamen "Graben99". Er berichtete, sein Sohn habe an jenem Morgen als zweites Kind die Rutsche benutzt. Der Bub vor ihm habe die Absperrung "mit voller Wucht durchbrochen" und sei dann "bewusstlos im Wasser" gelegen. Sein Sohn habe dann den Freund aus dem Wasser gezogen.
Bei der Polizei hielt man sich gestern mit Angaben zum Unfallablauf zurück. "Die Vernehmungen der Bobinger Kollegen laufen noch, es gibt bisher keine Erkenntnisse, dass der Bub bewusstlos war", teilte Polizeisprecher Robert Göppel mit.
Markus Bloching, Generalmanager der Königstherme, schildert, die Absperrplatte sei nicht zerbrochen. Ein Mitarbeiter habe sie nach dem Unfall entfernt und dann die Kinder aus der Rutsche geholt.
Rektorin Andrea Schöffel lobt das besonnene Handeln ihrer Lehrkräfte gleich nach dem Unfall in der Therme. Über Notfall-Rufnummern wurden die Eltern der verletzten Schüler umgehend informiert.
Die Mitarbeiter der Königstherme seien von dem Unfall sehr betroffen gewesen, berichtet Konrektorin Angela Wahl, die vor Ort war. Sie hätten sofort einen Rettungswagen alarmiert und sich auch um die verletzten Schüler gekümmert.
Für die anderen Schüler ging der Badetag weiter. Manche hatten von dem Unfall an der Rutsche gar nichts mitgekriegt. In den nächsten Tagen will Andrea Schöffel mit Lehrerkollegium und Elternbeirat entscheiden, ob der bisher beliebte Wintersporttag beibehalten wird. Hermann Schmid
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