Königsbrunn Anderen Unterricht als üblich durften 80 Schüler der sechsten und siebten Klasse in der Mittelschule Süd dieser Tage genießen. Carsten Thamm, Fachlehrer für Technik, hatte die sogenannte Technik-Rallye der Bildungsinitiative „Technik-Zukunft in Bayern“ an die Schule geholt. Den technisch-handwerklichen Aufgabenparcours bietet das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft an (siehe Infokasten).
Thamm freut sich, dass es endlich geklappt hatte. Ein Jahr stand die Mittelschule Süd schon auf der Warteliste. In drei Durchläufen von jeweils 90 Minuten werden die Mädchen und Jungen von Sozial -und Diplompädagogen betreut. An einzelnen Stationen können sie Werkzeug und Material ausprobieren. Mit Hammer, Lötkolben, Akkuschrauber oder Zange stellen sie dabei auf fast spielerische Art Schlüsselanhänger, Armbänder oder Kupferringe her. Gleichzeitig üben sie Ernsthaftigkeit, Sorgfalt und Aufmerksamkeit als wesentliche Voraussetzungen beim handwerklichen Arbeiten.
Ehe die Schüler ein Werkzeug in die Hand nehmen, machen die Betreuer Corinna Reiner und Martin Hillebrand erst mal in einer 20-minütigen Einführung auf die Gefahren durch fahrlässige Handhabung aufmerksam. Auf sparsamen Umgang mit den Materialien weist Martin Hillebrand ebenfalls hin, wenn er die Jugendlichen ermahnt: „Denkt bitte beim Zerschneiden des Leders daran, dass das einmal die Haut eines Lebewesens war!“
Manche der Aufgaben ähneln typischen Einstellungstests
An einigen Stationen müssen die Schüler auch Aufgaben lösen, die als beliebte Einstellungstests gelten – wie der Begabungstest mit Elektrokabel oder das Verbiegen eines Drahtes genau nach Muster. Auch auf den ersten Blick überraschende Übungen wie beim Tangram, einem Beschäftigungsspiel aus Kindertagen, wird fürs Berufsleben trainiert. Mit Holz- oder Plastikplättchen muss man vorgegebene Umrisse nachlegen. So wird gute Beobachtungsgabe und Raumvorstellung geprüft. Ebenso ein Spiegeltest. Hier darf man nur unter Anwendung eines Spiegels die Aufgaben lösen – eine Vorbereitung auf Berufe wie etwa den Zahntechniker.
„Puh, das ist ganz schön anstrengend!“, bemerkt Kevin aus der siebten Klasse, als er versucht, einen vorgegebenen Weg nachzufahren. Rektor Michael Ettel kommt, als er vorbeischaut, noch eine ganz andere Idee in den Sinn. Im Fach Deutsch könnte man diese praktische handwerkliche Erfahrung in einer Aufsatzübung als Arbeitsbeschreibung formulieren lassen, erzählt er, in Mathematik oder Physik entsprechend Flächen, Hebelwirkung oder anderes errechnen lassen.