Mittwoch, 19. Juni 2013

28. März 2012 12:19 Uhr

Behördenfunk

Verlegung des Funkmastes kostet sechstellige Summe

Walkertshofen müsste tief in die Tasche greifen, wenn der Standort verlegt wird. Infoveranstaltung beleuchtet das Für und Wider Von Andrea Strahl

Walkertshofen Wie vereinbart, organisierten Bürgermeister Sven Janzen und Oberrothaner Bürger eine Informationsveranstaltung über den digitalen Behördenfunk. Die Einwohner des Walkertshofer Ortsteils setzen sich dafür ein, dass der Standort eines geplanten BOS-Masten, der 200 Meter vor ihrem Ort errichtet werden soll, in einem wesentlich größeren Abstand zu ihrem Dorf versetzt wird (wir berichteten).

Eingeladen hatte Rita Fischer aus Oberrothan den Münchner Physiker Dr. Klaus Buchner, der zu den Nachteilen und Gefahren dieses Systems referierte. Werner Wagner von Diginet dagegen erklärte den Behördenfunk aus Sicht des Betreibers. „Die zentrale Frage ist, welche gesundheitlichen Auswirkungen von Digitalfunk ausgehen“, so Bürgermeister Sven Janzen. Er begrüßte gut zwanzig Oberrothaner Bürger und die Gemeinderäte neben den zwei Referenten im Restaurant Burgberg. „Der Funk, der von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) verwendet wird, ist in seiner digitalen Form bereits in elf europäischen Staaten in Betrieb, in acht wird er derzeit aufgebaut und in fünf Ländern geplant“, informierte Wagner. „Beim alten Analogfunk gibt es kein zusammenhängendes kommunikatives Netz und jeder Kanal braucht seine eigene Frequenz, sodass sich Engpässe bei Großeinsätzen ergeben. Die Sprachqualität wird bei zunehmender Entfernung schlechter und er ist äußerst leicht abzuhören, was bei Polizeifunk bekanntlich oft gemacht wird.“

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Dagegen wand Buchner ein: „Die Polizei muss den bestmöglichen Funk haben, aber einen, der weder ihnen noch uns schadet.“ Er zählte eine Reihe von Nachteilen auf, wie hoher Stromverbrauch (unsicher bei Stromausfall) oder der zentrale Server, der bei einem Fehler das ganze System ausfallen lässt. „Vieles, was Tetra-Funk kann, könnte der Analogfunk auch, wenn man ihn nur auf den neuesten Stand der Technik brächte.“ Mehrere Beispiele würden zeigen, dass diese neue Technik nicht funktioniert – dem allerdings widersprach Wagner von Diginet mit eigenen Erfahrungen.

Im Zentrum des Vortrags von Buchner standen zahlreiche Gesundheitsrisiken, die in unabhängigen wissenschaftlichen Studien erforscht seien: „Der Digitalfunk beeinflusst die Gehirnströme, biochemische Reaktionen wie Dopaminmangel wurden nachgewiesen und Erbgutveränderungen durch die Hochfrequenzstrahlung. Er zeigte Bilder von missgebildeten Kälbern. „Die Strahlung greift direkt an den Zellen an, woraus wir alle bestehen.“

Wagner kannte die Fotos und widersprach: „Man hat dem Bauern nachgewiesen, dass die Missbildung nicht vom Funk kommt. Die wissenschaftlichen Studien ließen sich nicht wiederholen.“ Das Problem ist immer, dass diese Ergebnisse stets abhängig vom Auftraggeber sind. Es gibt noch keine Langzeitstudien in diesem Gebiet.

Versuchskaninchen jedoch wollen die Oberrothaner absolut nicht sein. „Wir haben Angst. Angst um unsere Gesundheit und unsere Tiere, die unseren Lebensunterhalt bedeuten. Wir haben Angst um unsere Kinder, wenn sich Erbschäden erst in späteren Generationen zeigen.“

Aber welche Möglichkeit gibt es noch, den Bau zu verschieben, wo doch der Standort bereits seit 2010 mit der Kommune abgesprochen wurde? „Die Standortänderung würde einen sechsstelligen Betrag kosten, den die Gemeinde wegen des bereits unterzeichneten Vertrags zu übernehmen hätte“, so Wagner von Diginet, „der Mast wird dieses Jahr gebaut“. Es standen noch mehrere Fragen im Raum: Wurden die Gemeinderäte falsch informiert? (der Mast strahlt nur, wenn ein Polizeiauto vorbei kommt) Wurde der Vertrag deshalb unter falschen Voraussetzungen unterschrieben und damit ungültig? Warum wurde nicht ein anderer möglicher Standort weiter im Wald genommen, der ebenfalls auf einem Plan auftauchte? Das konnte Wagner nicht beantworten – war die Funkversorgung dort nicht ausreichend oder aus Wirtschaftlichkeitsberechnungen? „Grundsätzlich entspricht unser Digitalfunk den europäischen Anforderungen zum Gesundheitsschutz“, erklärte Wagner und zeigte auf einer Grafik: „seine Stärke befindet sich weit unter den Grenzwerten“. „Diese sind allerdings nicht mit Vorsorgewerten zu vergleichen und nur politische Übereinkunft ohne Haftung“, konterte Buchner.

Mit einem Appell an Sven Janzen, alles zu versuchen, den Masten doch noch zu verschieben, wird sich der Bürgermeister nochmals mit Diginet in Verbindung setzen, um obige Fragen zu klären.

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