Samstag, 18. Mai 2013

29. März 2012 10:07 Uhr

Odyssee

Ein Boxring auf Reisen

Die Boxabteilung des TSV Königsbrunn weiß nicht wohin mit ihrem Heiligtum Von Maximilian Semmlinger

Nur für ihre Wettkämpfe holen derzeit die Königsbrunner Boxer ihren Ring aus seinem Versteck.

Königsbrunn Bis vor ein paar Jahren bekamen Königsbrunns Bürger gleich mit, wenn die TSV-Boxer ihre Trainingshalle verlassen, um einen Wettkampf zu bestreiten. Denn der Bauwagen, mit dem die Abteilung ihren Boxring zum Wettkampfort – wie dem Gautschplatz – brachten, war nicht zu übersehen. Doch seit knapp vier Jahren ist der altbekannte Bauwagen Geschichte. Gleichzeitig war es der Anfang einer kleinen Odyssee für den Königsbrunner Boxring.

Kurz nach der Gründung der Abteilung 1968 stellte der damalige Bürgermeister Friedrich Wohlfahrt den Boxern die finanziellen Mittel für die Anschaffung eines Rings bereit. Dank dessen richteten die Verantwortlichen regelmäßige Boxveranstaltungen aus. Zwei bis drei im Jahr sind es heute. In der Zeit dazwischen wurde der Ring in Einzelteile zerlegt in besagtem Bauwagen aufbewahrt.

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In guter Absicht plante Abteilungsleiterin Gabi Stiffel (2007-2010), den in die Jahre gekommenen Bauwagen bei einer Firma in Lechhausen auf Vordermann bringen zu lassen. „Das würde uns nichts kosten, meinte sie damals“, erinnert sich Schatzmeister und „Mädchen für alles“, Alfred Wöckel. 14 Tage später folgte die Hiobsbotschaft. An dem Wagen sei nicht mehr viel, was man auf Vordermann bringen könnte. Wöckel will den Bauwagen wieder abholen. Doch die Firma hatte diesen kurzerhand verschrotten lassen. „Da nahm das Drama seinen Anfang“, sagt der Cheftrainer der Boxabteilung.

Wohin mit dem zwei Meter hohen, sieben Meter langen und drei Meter breiten, zerlegten Boxring? Vorübergehend wird er in den Räumen der Königsbrunner Realschule gebunkert, dem Trainingsort der Boxer. Doch als ein neuer Direktor kommt, muss der Ring weichen.

Über Beziehungen landet das Heiligtum in einem Bauwagen des Königsbrunner Kieswerks. Aus vorübergehenden acht Wochen wurden zwölf Monate. Der Boxring wandert ein paar Meter weiter in eine Miethalle in der Landsberger Straße. Aber auch hier kann er nicht auf Dauer bleiben. Knapp ein Jahr später kommt Wöckel das Gesuch eines befreundeten Boxvereins aus Kempten sehr entgegen. Der lieh sich den Ring für eine Veranstaltung aus und bot zugleich eine längerfristige Unterstellmöglichkeit.

Allerdings ereilte Alfred Wöckel nach einigen Monaten die traurige Nachricht: neuer Mieter – der Boxring muss weichen. Wieder setzten sich die Abteilungsverantwortlichen in einen gemieteten Lkw, um ihren Besitz abzuholen. Schließlich blieben Wöckel und dem neuen Abteilungsleiter Alexander Weiser nichts anderes übrig, als den Boxring irgendwo in Königsbrunn zu verstecken. Seit fast einem Jahr geht das nun schon gut. „Aber das kann kein Dauerzustand sein“, sagt der Schatzmeister deutlich. Über das „leidige Thema“ hatte er bereits mehrmals Königsbrunns Bürgermeister Ludwig Fröhlich informiert. „Doch außer Versprechen ist leider nichts passiert“, zeigt sich Wöckel enttäuscht von der Stadt.

Auch der TSV-Vorsitzende Detlef Füssel ist eingeweiht. Händeringend wird im Verein nach Mitgliedern gesucht, die eine kleine Halle, eine leere Pkw-Garage oder eine sonstige Unterstellmöglichkeit haben. „Weil diese Odyssee muss endlich ein Ende haben“, sagt Alfred Wöckel.

Sich selber einen Bauwagen anzuschaffen, sei für Abteilung und Verein finanziell nicht möglich. „Ein vernünftiger Bauwagen kostet an die 10000 Euro“, weiß der Schatzmeister. Die einfachste Lösung wäre es, den Ring da zu lagern, wo auch die Veranstaltungen der TSV-Boxer stattfinden. „Am besten in der Mittelschule Süd in der Römerallee“, meint Wöckel.

Doch sowohl darauf als auch auf Wöckels Vorschlag, den Ring in der neuen Gymnasiumhalle zu lagern, hat Bürgermeister und Präsident des TSV Königsbrunn, Ludwig Fröhlich, bisher nicht reagiert.

Bei Ideen für ein neues Zuhause für den Boxring wenden Sie sich an Alfred Wöckel, Telefon 08231/88447.

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