Bewegung im Freien auch bei extremen Minusgraden ist möglich. Man muss sich nur richtig dabei verhalten Von Reinhold Radloff



Landkreis Der Hals ist trocken, die Lunge schmerzt, der Kreislauf spielt verrückt. In Oberammergau beim König-Ludwig-Lauf kam es am Samstag zu zahlreichen gesundheitlichen Zwischenfällen bei Sportlern und Zuschauern wegen der extremen Kälte während dieser Veranstaltung. Der Nachtlauf wurde sogar ganz abgesagt. Und die Toten des Zugspitzlaufs sind auch noch bestens in Erinnerung. Soll deshalb bei den derzeit herrschenden extremen Minustemperaturen auf Sport im Freien verzichtet werden?
Echten Sportfans kann Kälte, starker Wind und schlechtes Wetter wirklich nichts anhaben, vorausgesetzt, sie verhalten sich richtig.
Nicht jeder reagiert gleich
Herbert Steffny, ehemaliger Weltklasseläufer, erklärt immer wieder, dass Sport bei Minustemperaturen ohne Weiteres möglich ist, wenn man sich dabei nur richtig verhält. Er betont allerdings, dass die Reaktionen der Menschen auf extreme Kälte unterschiedlich sind. Dem einen macht sie gut gekleidet nichts aus, dem anderen schadet sie.
Reizhusten, was nichts mit einer Erkältung zu tun hat, kann beispielsweise bei empfindlichen Personen auftreten. Wer vorgeschädigte Atemwege hat (zum Beispiel Asthma), der sollte extrem vorsichtig mit Sport und Kälte sein.
Gesunde hingegen können getrost trainieren. Extrembelastungen und Spitzenleistungen sollten allerdings auf jeden Fall vermieden werden. 70 bis 80 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit erbracht, sollten aber grundsätzlich nicht schaden.
Dabei ist es wichtig, eher durch die Nase als durch den Mund zu atmen, da sonst die Schleimhäute bei Kälte schneller austrocknen. Positiv wirkt sich aus, mit Multifunktionstuch oder einfach einem Schal vor Mund und Nase zu trainieren, um weniger Kälte und Bakterien in die Atemwege kommen zu lassen.
40 Prozent der Wärme gehen über den Kopf verloren
Wichtig ist bei extremen Minustemperaturen natürlich die Kleidung. Stirnband oder Mütze sind unbedingt anzuraten, da rund 40 Prozent der Wärme über den Kopf verloren geht. Eine Gesichtsmaske, ähnlich wie sie Motorradfahrer tragen, oder das Abkleben von Gesichtspartien, wie es Skifahrer gerne machen, sowie das dicke Einschmieren mit Fettcreme hält die Wärme besser im Inneren. Am restlichen Körper ist das Zwiebelprinzip anzuraten: über Funktionswäsche eine oder mehrere Schichten Fleece- und darüber Wind und Wasser abweisende Stoffe zu tragen ist anzuraten. Von nackter Haut beim Sport ist bei Kälte dringend abzuraten. Wenn es einem zu warm wird, einfach eine Schicht ausziehen und weitertrainieren. Ratsam ist außerdem, sich gut durch Bewegung aufzuwärmen und die Gymnastik in geheizte Räume zu verlegen, um nicht dabei schnell wieder auszukühlen.
Nach dem Sport sollte möglichst sofort geduscht, aber auf jeden Fall trockene Kleidung übergezogen werden, sonst droht schnell eine Erkältung. Ganz wichtig: auch schon bei leichten Anzeichen von Unwohlsein, Husten, Erkältung oder Grippe auf keinen Fall trainieren. Verschleppte Krankheiten können sich sehr schlimm auswirken. Bei Leistungssportlern sind viele Fälle bekannt, bei denen durch Training trotzt Grippesymptomen Herzmuskelerkrankungen aufgetreten sind, die oft erst sehr viel später bemerkt werden.
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