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Schiedsrichter-Affäre: Alles halb so schlimm?

Schiedsrichter-Affäre

Alles halb so schlimm?

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    DFB-Präsident Theo Zwanziger zieht Konsequenzen aus den Steuerermittlungen gegen Schiedsrichter. Foto: Boris Roessler dpa
    DFB-Präsident Theo Zwanziger zieht Konsequenzen aus den Steuerermittlungen gegen Schiedsrichter. Foto: Boris Roessler dpa

    Frankfurt am Main Das Ausmaß des Schiedsrichter-Steuerskandals ist nach Einschätzung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht so groß wie zunächst angenommen. Laut DFB gehen sieben der 49 intern befragten Schiedsrichter davon aus, dass es zu einer sogenannten Nachveranlagung kommt. Dass es bei diesen Einzelfällen zu einer Verurteilung wegen eines strafbaren Steuervergehens kommen wird, hält der Verband aber für unwahrscheinlich. Dies teilte der DFB am Donnerstag in seiner Zentrale in Frankfurt/Main mit.

    Die Verlässlichkeit der Schiedsrichterangaben vorausgesetzt, „zeichnet sich deutlich ab, dass die Dimension weitaus geringer einzuschätzen ist, als es kolportiert wurde“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Ein „Generalverdacht gegenüber dem Schiedsrichterwesen“ sei „völlig unangebracht“. Der DFB verzichtet deshalb auch auf Schutzsperren. „So, wie sich die Situation derzeit für uns darstellt, besteht absolut kein Anlass, bei den Ansetzungen zu reagieren“, sagte Herbert Fandel, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission.

    Gleichwohl wird der Verband auf die Steueraffäre reagieren. So soll ab der kommenden Saison die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses Voraussetzung für den Einsatz aller Spitzenschiedsrichter und deren Assistenten sein.

    Der frühere DFB-Schiedsrichterobmann Manfred Amerell hatte die Steueraffäre mit einer Anzeige ins Rollen gebracht. Die Behörden sollen insgesamt gegen 70 Schiedsrichter wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermitteln. Nach Informationen der Zeitschrift Der Spiegel sollen Unparteiische erhebliche Beträge auf ausländischen Konten deponiert haben.

    Fandel: Private Fragen beantworte ich nicht

    Nach Angabe von Amerell soll zudem ein Mitglied der Schiedsrichterkommission unter Verdacht stehen. Fandel wollte sich dazu nicht äußern. Auf die konkrete Frage, ob er selbst betroffen sei, antwortete er: „Ich kann Ihnen sagen: Als ich damals Kommissionsvorsitzender wurde, da habe ich mir vorgenommen, private Fragen beantworte ich nicht.“

    Zwanziger versuchte, zu relativieren. „In einem freien Europa und bei einem globalen Geldfluss ist es zunächst einmal kein Verbrechen, Auslandskonten zu haben“, sagte der DFB-Boss, der sich selbst als „früheren Steuerinspektor“ bezeichnete. „Ich gehe davon aus, dass die Sache mit den Nachzahlungen vom Tisch ist. Ich erwarte nicht, dass sich daraus Steuerverfahren entwickeln“, fügte er hinzu.

    Zwanziger betonte, dass der DFB, bei dem die Behörden in der Zentrale am 24. Oktober eine Razzia vorgenommen hatten, „in diesem Zusammenhang als Zeuge und nicht als Verdächtiger“ gelten müsse.

    Zwanziger verspürt nach eigener Aussage „keinen Groll“ gegen Amerell. Es sei in Ordnung, wenn er seine Informationen weitergebe. „Ich bin nicht böse darum, es ist unsere Sache, das aufzuklären. Ich würde mir nur wünschen, wenn er seine Erkenntnisse auch uns vorlegen würde“, sagte Zwanziger.

    „Ich bin da überhaupt nicht böse. Wenn er uns hilft, die Dinge in Ordnung zu bringen, dann klären wir das auf“, sagte der DFB-Präsident und betonte: „Ich bin nicht der Feind von Herrn Amerell, ich verfolge ihn auch nicht.“

    Er würde sich mit Amerell an einen Tisch setzen. „Er kann jederzeit kommen und sich mit mir unterhalten“, sagte Zwanziger. Amerell hatte nach einem geplatzten Mediationsverfahren mit Bischof Wolfgang Huber den Berliner Rechtsanwalt Michael Plassmann als Vermittler vorgeschlagen.

    Zwanziger sieht ein Mediationsverfahren aber allenfalls noch zwischen den zerstrittenen Parteien Amerell/Michael Kempter als Möglichkeit. Dies sei aber Sache von Kempter und dessen Anwalt Christoph Schickhardt. Amerell und der frühere FIFA-Schiedsrichter Kempter liegen juristisch im Clinch, der Fall belastet den DFB seit vielen Monaten.

    Amerell hat keinen Gesprächsbedarf

    Amerell erklärte gestern gegenüber unserer Zeitung, dass er sich mit Zwanziger nicht treffen wolle. Dies wäre nur eine „Schauveranstaltung“. Amerell: „Wenn ich mich mit Zwanziger treffe, dann vor Gericht.“ (dapd, dpa)

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