Lange Jahre als Funktionär haben Alfons Hörmann vor allem eines gelehrt: Gelassenheit. Den Präsidenten des Deutschen Skiverbandes (DSV) bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Auch nicht der Rücktritt von Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle am Ende der vergangenen Woche. Hörmann spricht von einer Zäsur, die ihn nicht überrascht habe. „Es hat sich abgezeichnet, dass eine Veränderung ansteht.“ Es spräche für Behle, dass der seine Entscheidung in aller Konsequenz und Professionalität getroffen habe. Hörmann: „Er hat damit dem Team die Chance auf Erneuerung gegeben. Alles wurde vernünftig, fair, offen und vorbildlich von beiden Seiten umgesetzt.“
Gleiches soll nun auf der Suche nach einem Nachfolger gelten. Thomas Pfüller, DSV-Generalsekretär und Sportdirektor in Personalunion, klappert dieser Tage die Kandidaten ab. Bekannt ist, dass Peter Schlickenrieder (Olympia-Zweiter von Salt Lake City 2002), Andreas Schlütter (Olympia-Dritter von 2002) und Frank Ullrich (ehemaliger Biathlon-Bundestrainer) auf dessen Liste stehen. Schlickenrieder hat ein Angebot des DSV bestätigt, sich aber noch nicht entschieden. Schlütter hat die Offerte bereits abgelehnt. Weitere Namen wollten weder Pfüller noch Hörmann nennen. „Ich bin in meinen Überlegungen für alles offen“, sagt Pfüller, der sich auf seiner Suche nicht unter Druck setzen lässt. Gelassenheit ist das Gebot der Stunde. Oder, wie es Hörmann formuliert: „Qualität vor Zeit.“ Bis zum 1. Mai hat man sich Zeit gegeben.
Klar ist aber jetzt schon, dass auf den Neuen viel Arbeit zukommt. 2013 steht die WM in Val di Fiemme an, 2014 die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Vor allem olympische Erfolge sind überlebenswichtig. Medaillen dort schlagen sich direkt auf die Höhe der Fördergelder durch, die der Bund an die Verbände zahlt.
Die Aufgabenstellung ist also klar. Der erste Schritt auf dem Weg dorthin ebenfalls: „Der neue Bundestrainer muss vor allem wieder ein Langlaufteam schaffen und aus der doch etwas zerfledderten Struktur ein stimmiges Gesamtkonzept entwickeln“, sagt Hörmann. Gelingt das, werde der deutsche Langlauf nicht in der Versenkung verschwinden. „Alles steht und fällt mit der Frage, wie wir künftig in der Lage sind, Erfolge zu produzieren. Wenn uns das nicht gelingt, ist es naturgemäß so, dass das Interesse sinkt.“ Das aber befürchtet der DSV-Präsident nicht. Man habe in Deutschland die Strukturen dafür, „vernünftige Langlauferfolge zu erzielen. Jetzt eine Krise der großen Art herbeizureden, geht zu weit.“
Gleiches gilt für die deutschen Alpinen. Dort wird ein neuer Männer-Bundestrainer gesucht. Bis zum Ende der vergangenen Saison war das der Allgäuer Karl-Heinz Waibel. Aus familiären Gründen wollte der sich aber die Strapazen von rund 200 Reisetagen pro Jahr nicht mehr antun und ließ seinen Vertrag auslaufen. Das ist ein Verlust, denn unter Waibel war die deutsche Männermannschaft so erfolgreich wie seit fast 20 Jahren nicht mehr.
Dem DSV wird er in einer „übergreifenden Aufgabe im wissenschaftlichen Bereich“ erhalten bleiben. Die neu geschaffene Stelle soll Synergien aus den verschiedenen Disziplinen des alpinen und nordischen Skisports nutzen. Entwicklungen bei Belägen, Rennanzügen oder auch der Ausbildung von Sportlern können so zwischen Alpinen, Skispringern und Biathleten ausgetauscht werden, sagt DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier. Mit der neu geschaffenen Stelle „sollen wissenschaftliche Erkenntnisse gefiltert und geordnet“ werden. „Dazu braucht man einen richtigen Profi, den wir jetzt gefunden haben“, sagt Maier.
Offiziell noch nicht entschieden ist, wer Waibels Nachfolger als Männer-Bundestrainer wird. „Bis nächste Woche wollen wir Klarheit haben“, kündigt Maier an.