Noch liegt dort nur eine graue Betonfläche inmitten des weiten Runds, trotzdem bekommt Paul Breitner bereits jetzt glänzende Augen und schwärmt. „Für mich ist es nach wie vor das schönste Stadion der Welt und ich weiß wie es ausschauen wird, wenn du da unten auf dem Rasen stehst“, plaudert der Fußball-Weltmeister von 1974 los. Dabei meint er das Champions-League-Finale, das am 17. Mai in München stattfindet. Nicht das der Männer, das zwei Tage später in der Allianz-Arena steigt, sondern das der Frauen, das am Vatertag um 18 Uhr im von Breitner als „mein Wohnzimmer“ bezeichneten Olympiastadion angepfiffen wird.
Olympiastadion eigentlich überdimensioniert
Breitner ist zusammen mit Steffi Jones, der ehemaligen OK-Präsidentin der Frauen-WM, ein Botschafter für die beiden Champions-League-Endspiele in der Landeshauptstadt, doch während das Männer-Finale ein Selbstläufer ist und die Ticketnachfrage das Angebot weit übersteigt, weiß Jones, dass das knapp 70.000 Zuschauer fassende Olympiastadion für die Frauen eigentlich weit überdimensioniert ist. „Deshalb wäre es auch schön, wenn wenigstens eine deutsche Mannschaft dabei wäre“, hofft die Ex-Weltmeisterin.
Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn mit dem FFC Frankfurt (im Halbfinale gegen Arsenal London) und Turbine Potsdam (trifft auf den Titelverteidiger Olympique Lyon) sind noch zwei deutsche Vertreter im Wettbewerb. Den sie ohnehin dominieren. Aus den zehn Endspielen des Vorgängerturniers UEFA-Pokal und der aktuellen Champions League gingen Frankfurt (3), Potsdam (2) und der FCR Duisburg (1) insgesamt sechsmal als Sieger hervor.
Weltrekord für Vereinsspiele anvisiert
Jones selbst bekommt schon „eine Gänsehaut, wenn ich nur an das Finale denke.“ Erstmals in der Geschichte des Olympiastadions werden dann die Frauen die Hauptrolle auf dem Rasen spielen, auf dem schon Endspiele je einer Welt- und Europameisterschaft, eines olympischen Turniers und dreimal das der Champions League der Männer stattgefunden hat. „Das ist einzigartig in Europa, ja auf der ganzen Welt“, hat sich UEFA-Direktor Giorgio Marchetti sagen lassen – und rechnet mit gut gefüllten Rängen. Den „Weltrekord“ für Vereinsspiele, der aktuell bei 28.000 Besuchern liegt, will Steffi Jones auf jeden Fall überbieten. Dafür soll auch die Preispolitik beitragen. Die teuersten Plätze auf der Haupttribüne werden zehn Euro kosten, Gruppentickets gibt es im Vorverkauf bereits für die Hälfte. Im Preis sind die Tickets für den öffentlichen Nahverkehr bereits inbegriffen.
Eingebettet ist das Frauen-Finale in das „Champions-Festival“, das ab dem 16. Mai drei Tage im Olympiapark stattfindet. „Es wird kein reiner Funpark“, stellt Marchetti gleich klar, „es geht vor allem um Fußball und wir wollen besonders Kinder und Jugendliche begeistern.“ Wozu Turniere, Auftritte von Ex-Spielern oder ein Fußballtheater beitragen sollen.