Joachim Löw und Louis van Gaal mussten sich keine Vorwürfe machen. Wirklich nicht. Die beiden Nationaltrainer taten alles dafür, das Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden nicht zu einem Pflegen freundschaftlicher Beziehungen verkommen zu lassen.
Lukas Podolski musste auf die Bank
Erst lieferten sich der Bundestrainer und der Bondscoach ein verbales Duell, wer denn wohl der bessere Taktiker am Spielfeldrand sei, dann erörterten sie, wer bisher mehr Erfolg gehabt hätte; und abrundend erhoben sie den Test in Amsterdam zu einer Standortbestimmung: Löw erhoffte sich Erkenntnisse, van Gaal wollte durch das Spiel gegen Deutschland erkunden, in welchem Stadium sich sein Neuanfang mit dem niederländischen Nationalteam befindet. Nach dem 0:0 (0:0) in der ausverkauften Amsterdamer Arena dürfen beide nun selbst entscheiden, was ihnen die Begegnung für die Zukunft gebracht hat.
Löw hat sie auf jeden Fall dazu genutzt, eine taktische Variante auszuprobieren, die bisher als „spanisch“ galt: ohne Sturmspitze. Dies hatte Löw zuvor angedeutet, etwas anderes nicht: Er beorderte Podolski auf die Bank. Selbst acht Ausfälle hatten den Arsenal-Spieler nicht in die Anfangsformation gespült. Statt seiner wirkte erstmals Lewis Holtby in der A-Nationalmannschaft mit. Er war einer der „Fantastischen Vier“, zusammen mit Reus, Müller und Götze, die durch fortwährende Positionswechsel Hollands Abwehr einigen Stresstests unterziehen sollten.
Bundestrainer will mehr Balance im Spiel
Zunächst waren sie jedoch vorwiegend damit beschäftigt, für die von Löw geforderte Balance zwischen defensiver Ordnung und offensivem Spaßfußball zu sorgen. Beide Mannschaften hatten sich dazu entschieden, dem Gegner bei Ballverlust seine eigene Spielhälfte zu überlassen und erst bei Überqueren der Mittellinie zu attackieren. Ob nun Oranje oder Weiß-Schwarz den Ball besaß, spielte da kaum eine Rolle. Nach 20 Minuten der Besinnung entsprang aus der technischen Überlegenheit der Deutschen die erste Tormöglichkeit durch Götze, der wie seine offensiven Kollegen immer wieder in die Schnittstellen der niederländischen Abwehrspieler drang.
Als auch ein Holtby-Schuss aus kurzer Distanz abgeblockt wurde, verebbte die grundsätzliche Party-Laune auf den Rängen. Erst als Robben, der durch seine Position auf dem linken Flügel einem Duell mit Bayern-Mitspieler Lahm aus dem Weg ging, beinahe den unverdienten Führungstreffer besorgt hätte, lärmte die orange Masse wieder. Rechtsverteidiger Höwedes klärte für den ausgetanzten DFB-Torwart Neuer.
Bis dahin hatte die Mannschaft van Gaals enttäuscht. Kuyt, der unerwartet statt Huntelaar Hollands Frontmann bildete, kam in Hälfte eins nur einmal zum Abschluss. Weitaus zielstrebiger agierten die Deutschen. Vor der Pause verpassten noch Reus und Gündogan den ersten Treffer.
Zur Pause durfte Bayern Trainer Heynckes aufatmen: Er bekommt einen gesunden Robben zurück; für ihn schickte van Gaal Elia aufs Feld. Schalke-Trainer Stevens muss sich womöglich größere Sorgen machen: Afellay humpelte Richtung Kabine vor seiner Auswechslung. Löw hielt sich hingegen mit seinem Tauschverfahren lange Zeit zurück, auch wenn Podolski beim Warmlaufen immer wieder unruhig in seine Richtung lugte.
Beide Teams schleppen sich ans Ende der Partie
Derweil wäre ein wenig Belebung gar nicht schlecht gewesen, offensiv hielten sich Jogis Schützlinge nun zurück. Als sich beide Teams zusehends in die Endphase der Partie schleppten – wohl wissend, dass noch etliche Spiele bis zur Winterpause liegen – durfte Podolski ran. Die besten Möglichkeiten, das Spiel doch noch in eine Richtung zu lenken, vergaben allerdings Janmaat (77. Minute) und Elia (78.) kurz hintereinander. Mit den Erkenntnissen kann sich Joachim Löw nun etwas Zeit lassen.
Erst am 6. Februar geht es weiter: mit dem nächsten Nachbarschaftsduell in Frankreich.