Enttäuschung, Tränen, Fassungslosigkeit: Für die deutschen Frauen ist die Fußball-Weltmeisterschaft seit gestern Abend zu Ende. Die Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid verlor vor 26067 Zuschauern im ausverkauften Wolfsburger WM-Stadion seine Viertelfinalpartie gegen Japan mit 0:1 (0:0) in der Verlängerung. Die zur Habzeit eingewechselte Karina Maruyama erzielte in der 108. Minute das Tor des Tages und beendete damit alle Hoffnungen des DFB-Teams auf den dritten Weltmeistertitel in Folge.
120 Minuten lang hatte die deutsche Mannschaft das japanische Tor in Beschuss genommen, doch was das Team von Silvia Neid auch anstellte, es brachte den Ball einfach nicht ins Netz. "Japan war ein toller Gegner und hat verdient gewonnen", zollte die erfolglose Stürmerin Inka Grings den Asiatinnen Respekt, "wir hätten heute auch vorm leeren Tor stehen können und hätten das Ding nicht gemacht".
Das Unheil nahm schon in der 3. Minute seinen Lauf, als Mittelfeldregisseurin Kim Kulig nach einem Kopfballversuch verletzt im japanischen Strafraum liegenblieb. Sie musste mit einem Kreuzbandriss ausgewechselt werden. Ihre Aufgabe übernahm Linda Bresonik, für deren Job in der Abwehr kam Bianca Schmidt. Kuligs Ausfahll sollte sich später schwer bemerkbar machen, denn ihre gefährlichen Weitschüsse und ihre Kopfballstärke fehlten dem Team. Trotzdem erkämpfte sich die deutsche Mannschaft unermüdlich Chancen, die aber hektisch und durch unpräzises Zuspiel leichtfertig vergeben wurden. Weder in der regulären Spielzeit noch in der Verlängerung konnte die deutsche Mannschaft eine der unendlich vielen Gelegenheiten verwerten. "Ich habe immer daran geglaubt, dass wir noch ein Tor reinwurschteln, das hätte uns geholfen.
Heute ging nichts mit grazilem Spiel, es war Kampf. Wir hatten aber keine gute Präzision bei den Flanken und den Standards", analysierte Silvia Neid kurz vor Mitternacht noch den Grund für die Niederlage. Aus der einzigen Unachtsamkeit der deutschen Abwehr schoss die Japanerin Karina Maruyama aus extrem spitzen Winkel in der 108. Minute ihr Team ins Halbfinale. Trotz des unaufhörlichen Drängens auf den Ausgleich blieb das deutsche Team glücklos und muss nun die Heimreise antreten. "Wir sind sehr sehr traurig und so richtig erklären können wir es uns auch noch nicht. Die Möglichkeit zu gewinnen war da", trauerte Neid den vergeben Chancen hinterher.
Am Ende blieb ihren tief enttäuschten Spielerinnen nur ein stummer Trauerzug durch das Stadion, in den Händen ein großes Plakat, mit dem sie sich bei den Fans bedankten: Ein Team - ein Traum - Millionen Fans - Danke! Das Fußball-Sommermärchen 2011 ist für das deutsche Team zu Ende.