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27. Mai 2010 14:30 Uhr

«Hamburger Jung» Reister nun gegen Federer

Paris (dpa) - Von seinen 42 000 Euro Preisgeld will sich Julian Reister einen bescheidenen Wunsch erfüllen: Das neue iPhone. Und gegen seinen nächsten French-Open-Gegner Roger Federer will er eigentlich gar nicht gewinnen.

«Hamburger Jung» Reister nun gegen Federer
Foto: DPA

«Er ist mein absoluter Lieblingsspieler. Ich wär' ja traurig, wenn er verliert», sagt der Tennisprofi aus Reinbek bei Hamburg, der in Paris als «Nobody»-Qualifikant gerade das Turnier seines Lebens spielt. «Unglaublich» sei es, in der dritten Runde nun gegen den Titelverteidiger und «besten Spieler aller Zeiten» antreten zu dürfen. Dem stand der 24-Jährige bisher nur als Einschlagpartner beim Rothenbaum-Turnier 2008 gegenüber.

Der Nummer 165 der Weltrangliste und Nummer 20 der deutschen Rangliste hatte noch nie ein Match auf der ATP-Tour gewonnen, qualifizierte sich in Paris überhaupt erstmals für das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers. Umso so überraschender sind seine souveränen Dreisatzerfolge am Bois de Boulogne gegen den gesetzten Spanier Feliciano Lopez (6:1, 7:6 (7:5), 6:2) und den Belgier Olivier Rochus (6:2, 6:2, 7:6 (7:5)). Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen, der beide Matches am Platz verfolgte, sagt über Reister: «Ich mag seine erfrischende und offensive Spielweise. Und ich bin beeindruckt von seinem selbstbewussten Auftreten und seiner Präsenz auf dem Platz.»

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Reister dominierte seine Gegner in Paris von der Grundlinie aus mit eleganten Schlägen und variablem Spiel. Ein bisschen in Federer-Manier. Grund zum Abheben sieht der Norddeutsche aber nicht: «Nee, ich habe hier ja nun keine unfassbaren Leute geschlagen.»

So selbstbewusst der leidenschaftliche Poker-Spieler auf dem Tennis-Court wirkt, so bodenständig kommt er daneben rüber. Wie er sich selbst charakterisieren würde? «Ich bin ein aufgeschlossener, netter Junge - eben ein Hamburger Jung, uns kann nichts erschüttern.» Sein Fußballverein ist der FC St. Pauli. Tennis spielt er seit er fünf ist. «Ich wollte schon immer Tennisprofi werden. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je Polizist oder so etwas werden wollte», sagte der lebenslustige Blondschopf mit seinem hochgestylten Pony.

Er machte den Realschulabschluss und kämpfte sich über viele, viele kleine Challenger-Turniere bis in diese dritte Runde in Paris. Diesen Karrieresprung nun im Alter von 24 kann er sich selbst nicht so recht erklären. Kühnen vermutet: «Es tut ihm gut, ein gutes Team zu haben.»

Wenn Reister daheim in Reinbek ist, trainiert er mit dem Schleswig-Holsteinische Landestrainer Herby Horst. Reinbek, überregional höchstens als Sitz des Buchverlags Rowohlt bekannt, liegt zwar bei Hamburg, gehört aber zu Schleswig-Holstein. Unterwegs wird er von dem Ex-Spieler Ralph Grambow gecoacht, der auch Reisters «Buddy» Tobias Kamke aus Lübeck betreut. Grambow ist auch in Roland Garros mit dabei - ebenso wie Mutter Silvia (Reisters Vater starb als er zehn Jahre alt war) und seine Freundin Isabel. Bruder Benjamin (29) kommt extra zum großen Spiel gegen Federer nachgereist.

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