Seit der WM 2006, als die Welt zu Gast bei Freunden in Deutschland war, machten sie zwar hier und dort auf sich aufmerksam, so aggressiv und breit aufgestellt wie in den vergangenen Wochen haben wir sie aber lange nicht erlebt. 5000 gewaltbereite Dresdner Chaoten im Pokalspiel gegen Dortmund haben die ostdeutsche Szene wieder ins Gespräch gebracht, dazu kamen Vorfälle in Frankfurt, Duisburg und Aue. Begünstigt durch lockere Stadion-Kontrollen und neue Absprache-Möglichkeiten in modernen Kommunikations-Netzwerken.
Aber stammen diese Krawallmacher wirklich alle von der irischen Familie O’Hoolihan ab, die sich einer Sage nach im 19. Jahrhundert durch Prügeleien einen so zweifelhaften Ruhm erwarb, dass künftig alle zur Randale neigenden Gruppen als Hooligans bezeichnet wurden? Der Hooligan früherer Zeiten bediente sich neben dumpfer Schmählieder schließlich höchstens der blanken Faust, während beim Radikalo der Neuzeit ein bedenklicher technischer Fortschritt Einzug gehalten hat. Rauchbomben, bengalische Feuer, Laserpointer und Akustik-Beschaller gehören zum modernen Equipment, mit dem Fußballspiele vorsätzlich zerstört und Zuschauer wie Spieler gefährdet werden. Systematisch schüren die Krawallmacher Angst – und werden oftmals noch mit zu laxen Kontrollen belohnt. Die gefährliche Pyrotechnik ist so ausgefeilt, dass sie auf einfachstem Weg in die Arena geschmuggelt werden können. In der Socke, in den Schuhen – manchmal nicht größer als ein Kugelschreiber.
So kocht die Stimmung stetig hoch: 64 Agenturmeldungen über verbotene Pyrotechnik in Fußballstadien erschienen allein in den letzten acht Tagen und zeugen von der Häufung der Vorfälle – neben der Randale der Dresdner Fans beim Pokalspiel in Dortmund auch die Ausschreitungen beim Südwestderby zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern.
Nur Frauen und Kinder?
Doch wie soll man diese Chaoten in die Schranken weisen? Schon fast verzweifelt klingen die Vorschläge der Klubchefs, Auswärtskontingente zu reduzieren oder Gästefans komplett auszuschließen. Alle Fans büßen lassen für eine kriminelle Minderheit? Dem gewaltbereiten Gegner mit Gewalt begegnen? Nach dem Vorbild von Fenerbahce Istanbul einfach mal nur Frauen und Kinder einlassen? Oder die bengalischen Feuer kontrolliert und erlaubt im Stadion abbrennen zu lassen, wie das die Fan-Initiative zur Legalisierung von Pyrotechnik fordert? Von den unangenehmen Folgen werden wir Fußballfans letztendlich alle betroffen sein.