Es gibt die hübsche Anekdote von jenem nordamerikanischen Eishockeyspieler, der für einen Verein hier in der Region tätig war und der einem Teamkollegen erklärte, dass er morgen, am trainings- und spielfreien Tag, mal in Mailand vorbeifahren wolle. Den Dom anschauen. Und was da sonst noch sehenswert ist.
Die Geschichte ist einesteils typisch, andererseits außergewöhnlich. Bemerkenswert ist es, dass sich ein Profisportler aus Übersee für europäische Baukultur interessiert. In den meisten Fällen tut er das nur dann, wenn in dem speziellen Gebäude auch ein Burger-Brater oder ein Pizza-Bäcker beheimatet ist.
Weniger ungewöhnlich ist aber der lässige Umgang des Nordamerikaners mit Entfernungen. Aus Schwaben nach Norditalien, in die schöne Lombardei? Und wieder zurück? Und das an einem Tag? Sure, why not?
Die USA und Kanada sind sehr große Länder mit viel, viel Leerraum zwischen weit verstreuten Siedlungen. Das schlägt aufs Gemüt. Der Nordamerikaner nimmt die Strapazen einer Reise mit buddhagleicher Gelassenheit auf sich. Schließlich waren auch seine Vorväter schon monatelang unterwegs, als sie mit ihren Planwagen gen Westen zogen.
Putzige Kleckse auf der Landkarte
Europa und insbesondere „Tschörmännie“ sind in den Augen des Nordamerikaners nur putzige Kleckse auf der Landkarte. Fahrten in diesen Regionen übersteht er auf einer Pobacke sitzend.
Das alles erklärt, warum in diesen Tagen von den Augsburger Eishockeyspielern kein Aufschrei zu hören ist. Zwei Spiele in zwei Tagen, heute in Augsburg, morgen in Köln – das entlockt den Kanadiern und Amerikanern im Team nur ein lockeres „so what?“. Und dieser Fatalismus hat sich anscheinend auch auf die deutschen Spieler übertragen.
Würde sensiblen Fußballern dieses 24-Stunden-Bus-und-Bahn-und-Spiel-Programm aufdiktiert, sie würden die Menschenrechtskommission der Uno anrufen. Mindestens.
Im ungeschriebenen Teil der Eishockeyregeln aber lautet der Paragraf eins: Jammern gilt nicht. Es kann nur sein, dass es ganz vereinzelte feinsinnige Eishockeyspieler gibt. Die werden es bedauern, wenn in ihr Reiseprogramm wider Erwarten kein Abstecher zum Kölner Dom passen sollte.