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02. September 2010 08:24 Uhr

Presseschau

K-Frage: Lob und Kritik für "Wischiwaschi-Entscheidung"

In Medien wie Öffentlichkeit gehen die Meinungen in der Kapitäns-Frage der Nationalmannschaft auseinander. Die Bandbreite reicht von "Wischiwaschi" bis zum "Höhepunkt der persönlichen Entwicklung" Löws. Die Pressestimmen.

Joachim Löw, Trainer der deutschen Nationalmannschaft.
Foto: dpa

In Medien wie Öffentlichkeit gehen die Meinungen in der Kapitäns-Frageder Nationalmannschaft auseinander. Die Bandbreite reicht von"Wischiwaschi" bis zum "Höhepunkt der persönlichen Entwicklung" Löws. Die Pressestimmen:

Matthias Brügelmann kritisiert in der Bild die Entscheidung des Trainers. Unter der Überschrift "Es gibt nur Verlierer", versucht er eben diese These zu begründen. "Offenbar hat Löw große Zweifel, ob Ballack der Nationalelf noch helfen kann. Warum er dann die Binde behalten darf, ist unverständlich und inkonsequent.! Bei diesem faulen Kompromiss gibt es nur Verlierer." Ballack, weil es sich wie ein Abschied auf Raten anfühlen müsse. Lahm, weil er herabgetuft worden sei und Löw, weil diese "Wischiwaschi-Entscheidung" kein Zeichen von Führungsstärke sei. Die Schlussfolgerung: "Chance vertan!"

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Andreas Burkert von der Süddeutschen Zeitung begrüßt in seinem Kommentar "Das sportliche Prinzip" hingegen die Entscheidung des Bundestrainers. "Löw hat in einer souveränen Regierungserklärung, die bezüglich seiner persönlichen Entwicklung als Moderator und Wegweiser des deutschen Fußballs durchaus als Höhepunkt bezeichnet werden darf, dies festgestellt: Der Fußballer Ballack ist weder verstorben noch zurückgetreten, und nicht nur deshalb bleibt er selbstredend Kapitän der Nationalmannschaft." Voraussetzung sei natürlich ein Ballack in bester Verfassung, schließlich gebe es keine Nominierungen nach Namen mehr. Die Entscheidung sei die "höchstmögliche Form der Zuneigung" für Ballack gewesen. Löw sei es gelungen, weder Ballack noch Lahm zu beschädigen, "oder die eigene Idee der flacheren Hierarchie."

Günter Klein wirft Joachim Löw in seiner Einschätzung "Das Kleingedruckte" für den Münchner Merkur hingegen vor, auf Zeit zu spielen.So habe der Bundestrainer die denkbar unspektakulärste Entscheidung getroffen. "Eine, die ihm das Leben nicht schwer macht, die ihm Zeit verschafft - und nach der für einige Wochen nicht mehr er die ballführende Person ist." Dass Löw einen verdienstvollen Spieler wie Ballack dem Leistungsprinzip aussetze, sei legitim. Natürlich habe aber Ballack in der Vergangenheit Privilegien genossen, die er nun verloren habe. "Er muss darum kämpfen, überhaupt dieser Mannschaft anzugehören. Und das ist der Haken bei der Sache, sozusagen das Kleingedruckte in der Vereinbarung mit Ballack." Nun liege es allein an Ballack, den Weg zurück in die Mannschaft zu finden. "Wenn er mit fast 34 den Kampf annimmt und auch noch besteht - dann ein uneingeschränktes Chapeau!"

Ein ambivalentes Urteil fällt Stefan Rommel in seinem Kommentar "Ballacks Spiel in zwei Welten" auf spox.com. So bezeichnet Rommel die Entscheidung des Bundestrainers als dessen "schwammige Version der neuen Regelung." Weiter schreibt er, dass Löws Mannschaft in ihrer Zusammensetzung offenbar mehrereAnführer brauche. Insofern sei der Entschluss doch wiederschlüssig. "Zumal Ballack ein verdienter Spieler ist, den Löw unterUmständen noch gebrauchen kann und der es nicht verdient hat, einfachso fallengelassen zu werden. Auf dieser Ebene hat sich für Ballack kaumetwas geändert." Neu sei, dass Ballack nun um seinen Platz im Team kämpfen müsse. "Einen echten Konkurrenzkampf um einen Platz im Team kennt Ballack nur vom Hörensagen. Jetzt ist er selbst einer der Beteiligten.(...) Diese neue Welt kennt er noch nicht, er muss sich jetzt erst in ihr beweisen."

In eine andere kerbe schlägt Christian Schwarzer. Der ehemalige Handball-Nationalspieler vertritt in einem Kommentar für die tz die Meinung, dass "zu viel Theater um ein Stück Stoff" gemacht wurde."Wie viel Zeit da investiert wurde für so eine Belanglosigkeit", wundert er sich. Schließlich würden sich Hierarchien in einer Mannschaft nicht nur eine Bind am Arm sondern durch Leistung bilden.

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