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08. September 2010 12:15 Uhr

Löw nach Poldi-Show im Plan - Hängepartie Ballack

Köln (dpa) - Trotz der Hängepartie um Michael Ballack sieht Joachim Löw seine Spaß-Kicker beim neuen Titel-Projekt voll im Plan. Die WM-Dritten um Schweinsteiger und Podolski haben gleich zum Start der EM-Qualifikation die Tabellenspitze der Gruppe A und auch wieder die Herzen der Fans erobert.

Löw nach Poldi-Show im Plan - Hängepartie Ballack
Foto: DPA

«Man hat gesehen, dass es Spaß gemacht hat», erklärte Lukas Podolski, der beim 6:1 gegen überforderte Gäste aus Aserbaidschan mit einer persönlichen Show die Zweifel an seiner Leistung zerstreute. «Unser Kombinationsspiel ist wie bei der WM», jubelte Doppeltorschütze Miroslav Klose, der mit nun 55 Länderspieltreffern den nationalen Rekord von Gerd Müller (68) jagt.

Als nächstes sollen die Türken, die nach dem 3:2 gegen Belgien am 8. Oktober in Berlin ebenfalls mit weißer Weste zum Gruppen-Gipfel antreten, die bei der WM entwickelte Stärke des jungen deutschen Teams spüren. «Jetzt kommt ein wichtiges Spiel, und das wollen wir natürlich gewinnen», erklärte Löw, der nach den vielen Diskussionen um den dieses Mal nicht nominierten Kapitän Ballack wieder als Gewinner dasteht. Seine Personalentscheidungen, etwa den Münchner Premieren-Torschützen Holger Badstuber in der Innenverteidigung zu installieren, gingen erneut auf.

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So kann der 50-Jährige entspannt den nächsten Doppelspieltag in einem Monat gegen die Türkei und in Kasachstan planen. «Es gibt jetzt viele Spiele, die europäischen Ligen beginnen. Das wird alles genau beobachtet und dann wird man entscheiden», kündigte Löw an. Schon in den ersten Partien nach der furiosen Südafrika-Safari hat der Chefcoach deutlich gemacht, dass er zwar auf die Spieler und die Automatismen der Weltmeisterschaft setzt, aber auch keine Erbhöfe verteilt. So überraschte er gegen die von Berti Vogts mit einer konservativen Manndeckung eingestellten Aserbaidschaner mit dem ersten Einsatz des Wolfsburgers Sascha Riether in der Startelf.

Beim Aufreger Ballack lässt sich Löw weiter nicht drängen. «Das ist jetzt nicht das Thema», betonte der Bundestrainer und ergänzte: «Es ist völlig normal, wenn ein Spieler nach drei Monaten Pause eine gewisse Zeit braucht.» Ob Ballack in vier Wochen schon wieder ein Auswahl-Kandidat ist, werde man sehen: «Wenn ich der Meinung bin, dass er die Mannschaft verstärkt, dann klar. Aber jetzt ist natürlich wichtig, dass er seine Form findet.» Dass der Kapitän im Wartestand auf einen Stadionbesuch in Köln verzichtete, kommentierte Löw nur kurz: «Es steht den Spielern frei zu kommen.»

Umso mehr freute sich der Bundestrainer über die wiedergefundene Spiel- und Kombinationsfreude bei seinem aktuellen Personal: «Wir hatten viele gute Szenen und Chancen, haben sechs Tore erzielt.» Auch wenn der klare Erfolg über den 105. der Weltrangliste auf dem Weg zur EURO 2012 in Polen und der Ukraine sicher kein Maßstab war, darf sich Löw in seinem kompromisslosen Kurs bestätigt fühlen.

«Unser Plan war sechs Punkte zu holen und das eine oder andere Tor zu schießen - mehr geht nicht», erklärte Top-Torjäger Klose. Mit seinem elften Nationalmannschafts-Doppelpack zog der 32-Jährige in der ewigen deutschen Torjägerliste mit dem DDR-Internationalen Joachim Streich auf Rang zwei gleich - nur noch 13 Treffer fehlen zur Bestmarke des «Bombers der Nation», Gerd Müller.

Neben Klose (2) und Podolski zeichneten sich beim WM-Dritten noch Heiko Westermann und Badstuber als Torschützen aus. Dazu kam ein Eigentor der Gäste, die bei ihrem Ehrentreffer von einem Patzer des Schalker Torwarts Manuel Neuer profitierten. «Man hat der Mannschaft angemerkt, dass es ihr Spaß macht. Sie hat auch nach dem 3:0 nicht nachgelassen», sagte Löw.

Von Beruhigung wollte im DFB-Lager noch niemand etwas wissen. «Wir stehen am Anfang dieser Qualifikation», erinnerte Löw. Und der von 43 751 Zuschauern gefeierte Podolski blickte schon auf den besonderen Charakter des Duells im Berliner Olympiastadion: «Wir wissen, die Türken haben gegen die Belgier gewonnen, sie sind gefährlich. Wir werden bestimmt kein Stadion haben nur mit deutschen Fans.» Der früh für den im Gesicht verletzten Per Mertesacker eingewechselte Innenverteidiger Westermann warnte: «Man muss in der Gruppe höllisch aufpassen. Wir dürfen gegen die Türken nichts anbrennen lassen.»

Große Aussagekraft für den Gruppengipfel hatte der sechsthöchste deutsche Sieg in der EM-Qualifikation nicht, dafür war das Team des ehemaligen Bundestrainers Vogts einfach zu schwach und altmodisch. «Das letzte Spiel, bei dem Manndeckung gespielt wurde, war in der Jugend», erklärte Sami Khedira verwundert. «Die haben ein paar Wadenbeißer auf uns angesetzt», bemerkte WM-Torschützenkönig Thomas Müller belustigt zur «Terrier-Taktik» von Aserbaidschan.

Westermann staunte: «Das war wie ein Handballspiel.» Dass Abwehrchef Mertesacker mit Bruch des Augenhöhlenbodens für den Bundesliga-Hit seiner Bremer beim FC Bayern München ausfällt, war die einzige negative Nachricht des Spiels.

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