"Ich stehe am Mittwoch auf der Matte. Ich will hören, was man mir vorhält. Ich habe mir nichts vorzuwerfen und mich immer an die Regeln gehalten. Diese Vorwürfe müssen erst bewiesen werden", kündigte Magath via Bild an. Am Mittwoch findet ab neun Uhr eine Aufsichtsratssitzung des FC Schalke 04 statt. Auf dieser soll angeblich über den Rauswurf Magaths, der neben seinem Trainerposten auch die Ämter des Managers und eines Aufsichtsratsmitglieds inne hat, entschieden werden.
Dass Magath anders als Rudi Assauer (2006) und Andreas Müller (2009), die ein "Tribunal" scheuten und vorher den Rückzug antraten, sein Recht auf Anhörung wahrnehmen will, deutet auf eine kämpferische Auseinandersetzung hin. Längst geht es nicht mehr allein um sportliche oder atmosphärische Störungen, sondern um juristische Fragen und Fakten. Letztlich dürfte es aber vor allem um eines gehen: ums Geld. Oder anders formuliert: Wie hoch ist die Ablöse, die die klammen Schalker ihrem ungeliebten Trainer zahlen können? Dem Vernehmen nach würden Magath bei einer vorzeitigen Trennung noch rund zwölf Millionen Euro zustehen. Sein Kontrakt ist bis 2013 datiert. Sollten sich die Vorwürfe gegen Magath als hieb- und stichfest erweisen, könnte der mit 250 Millionen Euro verschuldete Fußball-Konzern aber womöglich eine hohe Abfindung einsparen.
Laut Medienberichten soll der formale Grund für Magaths bevorstehende Abberufung als Vorstandsmitglied sein, dass er bei einigen Transfers nicht satzungsgemäß gehandelt hat. Der 57-Jährige soll versäumt haben, bei einigen Transfergeschäften mit einem Volumen von mehr als 300 000 Euro die erforderliche Genehmigung des Aufsichtsrats einzuholen. Schon bei einem ersten Gespräch am Sonntag in Düsseldorf waren Clubchef Clemens Tönnies und Magath in Begleitung von Anwälten erschienen. Es droht eine schmutzige Scheidung.
Folgender Ablauf wird erwartet: Nach Magaths Abberufung als Vorstand durch das elfköpfige Kontrollgremium kann die zweite "Entlassung", nämlich als Trainer und Manager, durch die Vorstandskollegen Horst Heldt und Peter Peters erfolgen. "Am Trainer Magath können sie nichts mehr aussetzen, nachdem wir das Pokalfinale und das Viertelfinale erreicht haben. Jetzt wollen sie an den Vorstand Magath ran", soll der Fußball-Lehrer laut Bild gegenüber Freunden geäußert haben.
Als sicher gilt: Um 15 Uhr wird bereits ein neuer Trainer auf dem Platz stehen, der die Mannschaft im Auswärtsspiel am Sonntag bei Bayer Leverkusen erstmals betreut. Als heißer Kandidat gilt weiterhin Tönnies-Freund Otto Rehhagel. Der 72-Jährige wäre neun Monate nach seinem Rückzug als griechischer Nationaltrainer aber nur eine Interimslösung bis zum Saisonende. Für den alles kommentierenden Franz Beckenbauer kein Problem: "Der ist nach wie vor ein junger Bursche, der da rumspringt und sehr aktiv ist. Es geht jetzt nur um zwei Monate - das traue ich dem Otto durchaus zu."
Denkbar scheint auch, dass Magaths bisheriger Assistent Seppo Eichkorn, der von Magath abgerückt sein soll, die Aufgabe übernimmt und das Zepter am Saisonende an Ralf Rangnick übergibt. Der 52-Jährige würde nach seinem Rauswurf auf Schalke im Dezember 2005 eine triumphale Rückkehr feiern. Angeblich denkt Rangnick, der am 1. Januar 2011 in Hoffenheim aufgab, entgegen seiner ursprünglichen Planung sogar darüber nach, die Aufgabe sofort zu übernehmen. Sicher ist im Moment aber nur eines: Dass nichts sicher ist. dpa