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Formel 1: Michael Schumacher - Der Glücksfall

Formel 1

Michael Schumacher - Der Glücksfall

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    Michael Schumacher (Archiv).
    Michael Schumacher (Archiv).

    Das Comeback von Michael Schumacher soll die Formel 1 wieder auf Tourenbringen. Auch der Fernsehsender RTL und sein Arbeitgeber Mercedeserhoffen sich neuen Schwung.

    Als Mercedes zur Vorstellung von Michael Schumacher bittet, ist der Andrang riesig. Die Tribünen im Forum des Mercedes-Museums sind mit 600 geladenen Gästen und rund 250 Journalisten schnell gefüllt.

    "Wenn wir allen hätten Platz bieten wollen, die heute gern dabei gewesen wären, dann hätten wir auf die andere Straßenseite ins Fußballstadion gehen müssen", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Michael Schumacher weiß, dass die Erwartungen mindestens so groß sind wie der Rummel um seine Person: "Wir haben das Ziel und die Mission, den Titel zu holen."

    Der beste Autofahrer aller Zeiten, ein Deutscher, der in einem Mercedes um die Weltmeisterschaft fährt - selbst der sonst betont nüchterne Daimler-Chef gerät ins Schwärmen und träumt von einer "deutschen Nationalmannschaft" in der Formel 1. Auch wenn der Mercedes-Betriebsrat über die Millionen verschlingende Personalentscheidung lästert, der Konzernchef glaubt, dass er sich mit Schumacher im Cockpit Millionen Euro Werbekosten einspart.

    Denn wo Schumacher auftaucht, sind die Kameras und Mikrofone eingeschaltet und nur auf den Ausnahmefahrer gerichtet. Das bekam Nico Rosberg bei der Teampräsentation zu spüren. Fast alle Fragen richten sich an seinen Kollegen. "Es ist schon ein bisschen schwierig", meint Rosberg zu seinem Mauerblümchen-Dasein. "Ich muss lernen, dass das so ist."

    Während der Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg um Aufmerksamkeit buhlen muss, leistet sich Schumacher eine eigene Agentur in der Schweiz mit seiner persönlichen Pressebetreuerin Sabine Kehm an der Spitze, um die tägliche Flut von Anfragen und Interview-Bitten zu kanalisieren.

    Für den 41-jährigen Deutschen lästiger Alltag, für die zuletzt gebeutelte Formel 1 ein Segen. Waren die vergangenen Jahre von Zuschauerschwund, der Automobilkrise und dem Rückzug großer Hersteller wie BMW, Toyota oder Honda geprägt, so kommt jetzt endlich einer, der positive Schlagzeilen liefert.

    Über zwei Jahre lang hatte Michael Schumacher Spekulationen über eine Rückkehr entschieden von sich gewiesen. Weil er mit seinem neuen Leben zufrieden und mit sich im Reinen war. Nun startet der siebenmalige Weltmeister doch wieder, rund dreieinhalb Jahre nach seinem 250. und bis dato letzten Grand Prix am 22. Oktober 2006 in Brasilien.

    Ob Schumachers Comeback erfolgreich sein wird, zeigt sich in den kommenden drei Jahren. So lange läuft der Vertrag mit Mercedes. Die Vorfreude auf den Wiedereinstieg ist jedenfalls groß. "Endlich geht die Saison los. Ich fühle mich ein bisschen wie ein Kind vor Weihnachten", sagte der 41-Jährige in der Vorschau auf den WM-Auftakt ab heute in Bahrain. "Ich glaube, dass wir in Bahrain unter den Top- Teams sein können", so Schumacher weiter.

    Wenn Michael Schumacher wieder Gas gibt, steigen die TV-Quoten. RTL kann das Comeback am Sonntag beim Großen Preis in Bahrain (13 Uhr/live in RTL und Sky) kaum erwarten. "Die Fahrerkonstellation ist für uns ein einziger Glücksfall", erklärt RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt. Der Privatsender überträgt alle 19 Rennen (siehe Infokasten) live.

    "Wir erwarten einen spürbaren Quoten-Anstieg. Formel 1 ist wieder in aller Munde und Michael Schumacher wird während der Saison ein sehr großer Katalysator sein", sagte RTL-Sportchef Manfred Loppe. Auf eine konkrete Zuschauerzahl wollte er sich nicht festlegen. Im Vorjahr, als Sebastian Vettel WM-Zweiter wurde, sahen im Schnitt 5,21 Millionen Motorsport-Fans die Rennen bei RTL.

    "Die Formel 1 wird im Fernsehen mindestens um 20 Prozent an Zuschauern zulegen", schätzt Marcel Cordes, Vorstand der Sponsoringberatung Sport+Markt. Der Favorit der Deutschen auf den WM-Titel ist der Silberpfeil-Pilot. In einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von RTL stimmten 25 Prozent für Schumacher, 21 Prozent für Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel. Abgeschlagen auf Rang drei landete Ferrari-Neuzugang Fernando Alonso (7 Prozent) vor Lewis Hamilton (McLaren/6).

    Alle freuen sich über die Rückkehr des Jahres, der mächtige Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone allemal. "Sein Comeback ist ein Geschenk. Es bringt weltweites Interesse." Den ewigen Zweiflern entgegnet der 79-jährige Milliardär: "Vergessen Sie sein Alter. Darüber zu diskutieren ist dumm. Schumacher ist 41, aber topfit und siegeshungrig wie eh und je." Milan Sako

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