Sonntag, 19. Mai 2013

25. Juni 2012 11:29 Uhr

EM 2012

Pirlos magischer Elfmeter und sein Vorbild

4:2 gewannen die Italiener ihr EM-Viertelfinale im Elfmeterschießen gegen England. Andrea Pirlo sorgte dabei für einen magischen Moment und hatte ein berühmtes Vorbild.

Legendär: Antonin Panenka trifft beim Elfmeterschießen gegen Sepp Maier zum 5:3-Sieg im EM-Finale 1976 in Belgrad.

Es war der entscheidende Moment des Viertelfinales zwischen Italien und England. Es war ein magischer Moment. 120 Minuten hatten beide Mannschaften gespielt, ohne dass ein Treffer gefallen wäre. Das Elfmeterschießen musste darüber entscheiden, wer im Halbfinale auf die deutsche Mannschaft trifft.

Der Italiener Andrea Pirlo war als fünfter Schütze an der Reihe. Beide Engländer vor ihm hatten getroffen, ein Mannschaftskollege Pirlos hatte verschossen. Hätte Pirlo nicht verwandelt, Italien wäre so gut wie ausgeschieden gewesen. Aber was macht der langhaarige Edeltechniker von Juventus Turin? Er gibt dem Ball nur einen besseren Schubser, mit viel Gefühl und wenig Tempo hoppelt das Spielgerät aufreizend langsam und genau in der Mitte des Tores über die Linie.

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Englands Torwart Joe Hart, kraftvoll in die rechte Ecke gehechtet, war machtlos. Verzweifelt starrte er dem Ball hinterher, versuchte noch, mit dem linken Bein dessen Flugbahn zu verändern, hatte aber doch keine Chance. Pirlo gab sich auch nach dem Spiel, dass die Italiener 4:2 gewannen, cool und sagte zu seinem Kunststück: "Joe Hart hat beim Anlauf einige kuriose Bewegungen gemacht. Als er ins Eck getaucht ist, habe ich mich für diese Art von Schuss entschieden."

Diese Art von Schuss, nannte Pirlo sein Kunstwerk. Man könnte auch sagen: die riskanteste Art von Schuss. Und weil sie so riskant ist, hat sie einen eigenen Namen: Panenka-Lupfer benannt nach dem Tschechen Antonin Panenka. Mit Sicherheit war der zwar nicht der erste, der den Ball derart lässig über die Linie schaufelte. Aber er war der erste, der es in einem wichtigen Finale machte.

Um genau zu sein war es im EM-Endspiel von 1976 gegen Deutschland. Torwartlegende Sepp Maier hatte keine Chance. Panenka hatte mit seinem frechen Elfmeter die Tschecheslowakei zum Europameister gemacht - und sich selbst zum Vorbild für andere Ballkünstler.

Für Zinedine Zidane zum Beispiel. Der geniale Franzose traf im WM-Finale 2006 gegen Italien per Elfmeter zum 1:0. Er baute in seinen Lupfer sogar noch eine besondere Schwierigkeit ein, indem er erst die Querlatte traf, von wo es der Ball dann gerade noch über die Linie schaffte. Im weiteren Verlauf des Spiels verließ die Franzosen aber das Glück. Erst sah Zidane Rot, dann musste sich Frankreich im Elfmeterschießen geschlagen geben.

Bei der WM 2010 traf der Urugayer Sebastian Abreu ebenfalls in Panenka-Manier und bescherte seiner Mannschaft im Elfmeterschießen gegen Ghana den Einzug ins Halbfinale.

Nicht ganz so filigran, aber doch ziemlich abgezockt traf der Niederländer Johan Neeskens im WM-Finale 1974 von München. Schon nach eineinhalb Minuten brachte er Oranje per Strafstoß mit 1:0 in Führung. Den Ball hatte er stockvoll in die Mitte des Tores gedroschen, Sepp Maier war ohne Chance. Allerdings gestand Neeskens später ein, dass er keineswegs kaltschnäuzig gewesen sei. Ihm war der Ball schlicht über den Spann gerutscht. Deutschland ließ sich davon übrigens nicht beeindrucken und gewann das Finale mit 2:1.

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Andreas Kornes

Augsburger Allgemeine
Ressort: Sport


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